Monitor kalibrieren verständlich erklärt. In diesem Artikel beschreibt Oliver wie man einen Monitor entweder mit spezieller Software oder mit Hardware (Colorimeter) so einstellt, dass Helligkeit, Kontrast, Farbe und Gamma korrekt eingestellt sind.

Monitor kalibrieren – verständlich erklärt

Eigentlich sollte es ganz einfach sein. Wir machen ein Foto mit einer Digitalkamera, bearbeiten es vielleicht auch noch etwas am Computer und stellen es dann entweder ins Netz oder drucken das Ergebnis aus, um uns danach an dem schönen Bild zu erfreuen. Natürlich erwarten wir, dass das Foto dieselben Farben, Kontrast und Helligkeit hat wie das Motiv, das wir fotografiert haben.

Leider funktioniert es nicht ganz so einfach. Der Schwachpunkt in der oben beschriebenen Kette ist der Monitor und seine Darstellung der Farben. Wenn ein Monitor z.B. einen Blaustich hat und wir das Bild mit einer Bildbearbeitungssoftware mit dem Weißabgleich so korrigieren, dass die Farben natürlich aussehen, wird dasselbe Bild im Druck oder auf einem korrekt kalibrierten Monitor einen Gelbstich haben (die Komplementärfarbe). Außer den Farben kann man bei einem Monitor auch noch den Kontrast, die Helligkeit und das Gamma einstellen. All diese Werte müssen sinnvoll eingestellt werden, um ein Bild korrekt darzustellen.

Eine solche Farbverschiebung kann vermieden werden, indem man seinen Monitor kalibriert. Welche Möglichkeiten es hier gibt, möchte ich im Folgenden beschreiben.

Bei welchen Monitoren ist eine Kalibrierung sinnvoll?

Kurz gesagt, bei allen. Günstige Monitore oder Monitore von Laptop Computern haben oft einen Farbstich, wenn sie geliefert werden, diesen und natürlich auch Kontrast, Gamma und Helligkeit kann man mit der Kalibrierung korrigieren. Der wesentliche Nachteil von günstigen Monitoren im Vergleich zu den teuren Modellen ist, dass sie oft nicht alle Farben darstellen können. In der Regel ist es nicht einmal möglich den gesamten sRGB Farbraum abzubilden.

Teure Modelle, die speziell für Fotografen und Bildbearbeiter geschaffen wurden, sind auf der einen Seite schon werkseitig so eingestellt, dass  Farbe, Kontrast, Gamma und Helligkeit für diese Tätigkeiten optimal sind. Außerdem können sie typischerweise mehr Farben darstellen, fast immer den sRGB Raum und manche Modelle sogar den Adobe RGB Farbraum. Den von Lightroom verwendeten ProPhoto RGB Farbraum kann kein zurzeit im Handel erhältliches Gerät abbilden.

Eine Kalibrierung ist aber bei allen Modellen sinnvoll, um ein für dieses Gerät optimales Ergebnis zu erzielen.

Was sind sinnvolle Einstellwerte für den Monitor?

Für Fotografen eigenen sich die folgenden Bildeinstellungen:

  • Farbtemperatur 6500° Kelvin
  • Helligkeit 60-120 Candela/m²
  • Gamma 2,2

Diese Werte werden z.B. von professionellen Druckanbietern wie WhiteWall empfohlen. Wichtig ist neben Farbtemperatur und Gamma auch die Helligkeit des Monitors. Typischerweise sind Monitore zu hell eingestellt. Das hat zur Folge, dass Bilder, die mit diesen Monitoren entwickelt wurden, im Druck zu dunkel ausfallen. Welche die richtige Helligkeit ist, hängt aber auch sehr stark vom Umgebungslicht des Monitors ab. In einem hellen Raum muss der Monitor eher heller, in einem dunklen Raum eher dunkler eingestellt sein.

Welche Möglichkeiten gibt es, einen Monitor zu kalibrieren?

Die einfachste Methode einen Monitor zu kalibrieren, ist indem man die Farbe, Helligkeit, Gamma und Kontrast mithilfe einer geeigneten Software einstellt. Genauer ist es jedoch, wenn man die Farben mit einem Messgerät kalibriert. Typischerweise werden hier Colorimeter verwendet, da sie relativ preisgünstig sind.

Hier eine kurze Übersicht über die Optionen, die ich weiter unten im Detail beschreibe:

Software Lösungen

  • com
  • Display Color Calibration Tool für Windows
  • QuickGamma

Hardware Lösungen

  • X-Rite i1Display Pro
  • Spyder4Pro

Softwarelösungen zum Kalibrieren des Monitors

Eine einfache Methode den Monitor zu kalibrieren bieten Software Lösungen. Sie sind kostenlos und in der Regel einfach anzuwenden. Da sie sich aber auf das Auge bei der Einstellung des Monitors verlassen, sind sie naturgemäß nicht so genau wie andere Methoden die sich eines echten Messgerätes, d.h. einem Colorimeter, bedienen. Ich verwende einen PC mit Windows 7 und habe die Software auf diesem Computer getestet.

Monitorsetup.com – Monitor kalibrieren Testbilder

Auf der Homepage von Monitorsetup findet man sehr gute Testbilder zum Kalibrieren des Monitors. Einfach die Homepage aufrufen und der Anleitung im angehängten PDF folgen. Hier ein Screenshot, ihr solltet aber die original Seite benutzen, um Euren Monitor zu testen, da es weiter unten auf der Seite noch viele andere Testgrafiken gibt. Die Einstellung des Monitors erfolgt dann direkt über die Bedienelemente des Monitors.

Bild 1: Homepage von monitorsetup.com bietet einige Tools zum Testen des Monitors

Bei dieser Methode ist es sinnvoll sich eine der genormten Referenzfarbkarten zuzulegen und die mit den entsprechenden Farben auf der Seite zu vergleichen.

Display Color Calibration Tool für Windows

In Windows 7 steht uns ein systemeigenes Programm zur Verfügung, um den Monitor zu kalibrieren. Es hat den Namen dccw.exe (steht für Display Color Calibration Tool für Windows). Man kann das Programm einfach starten, indem man die Windows + R Tasten drückt. Danach öffnet sich ein Fenster, in dem man den Programmnamen eingibt. Nach drücken von OK und Eingabe des Admin Passwortes startet das Programm.

Bild 2: Ausführen Fenster bei Win 7 (über Windows + R zu erreichen)

Nachdem das Programm gestartet wurde, müsst ihr nur noch die Anweisungen befolgen. Es ist jetzt möglich:

  • Gammawert
  • Helligkeit
  • Kontrast und
  • Farbkalibrierung

einzustellen.

Bild 3: Einstellen des Gammawertes bei dccw.exe

Bild 4: Einstellen der Helligkeit bei dccw.exe

Bild 5: Farbkalibrierung bei dccw.exe

Mir gefällt das Display Color Calibration Tool für Windows sehr gut. Es bietet alles, was man von einer Softwarelösung erwartet.

QuickGamma

QuickGamma http://quickgamma.de/  ist eine Freeware zum Kalibrieren des Monitors. Es ist auf die Gamma Werte und die Helligkeit des Monitors spezialisiert. Die Freeware ist für den privaten Gebrauch kostenlos. Mit dieser Freeware kann man noch genauer als mit dem Display Color Calibration Tool für Windows die Gamma Werte des Monitors einstellen. Neben den Gamma Werten für die Grautöne kann man hier auch die Gammawerte für die einzelnen RGB Kanäle getrennt regeln.

Bild 6: QuickGamma – Freeware zum Monitor kalibrieren

Die Bedienung von Quick Gamma ist etwas komplizierter, man muss wirklich zuerst die Gebrauchsanweisung lesen, um hier gute Ergebnisse zu erzielen. Wenn man sich aber einarbeitet, kann man hier gute Ergebnisse für die Gamma-Werte und die Helligkeit erzielen, soweit das mit einer Softwarelösung möglich ist.

Hardwarelösungen zum Kalibrieren des Monitors

Die Kalibrierung des Monitors mit Hilfe von Messgeräten, auch Colorimeter (oder Kolorimeter) genannt, ist genauer als die weiter oben beschriebenen Softwarelösungen. Es gibt natürlich noch andere Testmethoden, die dafür notwendigen Messgeräte sind aber in der Regel noch teurer als Colorimeter. Die Geräte kosten zwischen ca. 80 EUR und 400 EUR, je nachdem wie professionell die Lösung ist und welche Features geboten werden. So kosten Colorimeter, mit denen man nicht nur den Monitor, sondern auch den Drucker kalibrieren kann in der Regel mehr, als Geräte mit denen nur der Monitor eingestellt werden kann.

Ich besitze einen X-Rite 1iDisplay Pro und werde daher über dieses Model etwas genauer berichten. Es gibt aber auch andere Modelle wie z.B. den Spyder4Pro von Datacolor, die sehr ähnlich zu verwenden sind.

X-Rite i1Display Pro

Mit dem X-Rite i1Display Pro kann man in der Standardausführung sowohl Monitore als auch Beamer einstellen. Der aktuelle Preis bei Amazon ist 189 EUR. Es wird mit einer eigenen Software geliefert. In der Software gibt es sowohl eine Basis als auch eine erweiterte Einstellungsmöglichkeit. Für die folgende Beschreibung habe ich die erweiterte Variante verwendet.

Bild 7: X-Rite i1Display Pro (Amazon Produktlink)

Der Workflow

Um einen Monitor zu kalibrieren, muss man im ersten Schritt die Monitoroptionen einstellen, danach die Profiloptionen und die Messfelder.  Anschließend erfolgt die Messung und die Erstellung eines für den Monitor spezifischen ICC Profils.

Bild 8: Workflow für die Monitorkalibrierung mit dem Xrite

Die einzelnen Schritte des Workflows

Im ersten Schritt müssen die Monitoroptionen eingestellt werden. Hier werden der Weißpunkt, d.h. die Farbtemperatur, die Leuchtdichte in cd/m2 und das Kontrastverhältnis eingestellt. Für mein Beispiel habe ich wie schon oben beschrieben eine Farbtemperatur von 6500° Kelvin, eine Leuchtdichte von 120 cd/m2 und ein „natives“ Kontrastverhältnis ausgewählt.

Bild 9: Einstellung der Monitoroptionen beim Xrite

Nach den Monitoroptionen müssen auf der nächsten Seite die Profiloptionen eingestellt werden. Ich verwende hier die Standardwerte, die von Xrite vorgegeben werden.

Bild 10: Einstellung der Profiloptionen beim Xrite

Im nächsten Schritt kann man festlegen, wie viele Meßfelder man für die Messung verwenden will. Ich habe für dieses Beispiel eine kleine Anzahl von Meßfeldern gewählt. Wenn man eine genauere Messung machen möchte, kann man auch wesentlich mehr Felder (211 oder 462) wählen, die Messung dauert dann entsprechend länger. Außerdem ist es möglich, sich eine eigene Meßpalette einzustellen oder ein Bild zur Messung hochzuladen.

Bild 11: Auswahl der Meßfelder beim Xrite

Nachdem man diese Optionen ausgewählt hat, kann man zur Messung schreiten. Der Xrite wird dazu über den Monitor gehängt und misst während der Monitor unterschiedliche Helligkeiten und Farben wiedergibt.

Bild 12: Der X-Rite i1 Display Pro bei der Messung

Die Messung dauert einige Minuten. Sobald sie erfolgt ist, kann man sich das erstellte ICC Farbprofil ansehen und es auch mit anderen Farbprofilen vergleichen. Unter dem Profilbild sind die geplanten und gemessenen Werte für den Weißpunkt, die Leuchtdichte und das Kontrastverhältnis zu sehen. Zusätzlich ist es beim Xrite möglich das Umgebungslicht zu überwachen, da ja auch eine Änderung der Farben der Hintergrundbeleuchtung im Raum sich auf unser Farbempfinden auswirkt.

Bild 13: Ansicht des erstellten Farbprofils incl. Weißpunkt, Leuchtdichte und Kontrastverhältnis

Spyder4Pro

Der Spyder4Pro von Datacolor ist vom Prinzip dem X-Rite sehr ähnlich. Vom Preis ist er mit 133 EUR etwas günstiger. Ob er besser oder schlechter ist als der Xrite, kann ich nicht beurteilen, da ich den Spyder4Pro noch nicht benutzt habe.


Bild 14: Der Spyder4Pro (Amazon Produktlink)

Wie stellt man Farbprofile ein, wenn man mehrere Monitore verwendet?

Viele Computer unterstützen schon den Betrieb von zwei Monitoren. Wenn man aber einfach nur den zweiten Monitor dazu schaltet, wird im ersten Schritt das Farbprofil des primären Monitors verwendet. Ich beschreibe hier, wie ihr die Farbprofile für die beiden Monitore getrennt einstellen könnt, sodass beide kalibriert sind.

Im ersten Schritt macht ihr für jeden Monitor ein Farbprofil, so wie ich das oben beschrieben habe. Damit es hier zu keinen Fehlern kommt, schaltet einfach immer nur einen Monitor an und kalibriert diesen. Dabei werden die entsprechenden Farbprofile erstellt.

Danach schaltet ihr beide Bildschirme ein und sucht unter Windows > Programme/ Dateien durchsuchen nach „Farbverwaltung“ oder ihr geht in die Systemsteuerung > Anzeige > Bildschirmauflösung und dort in Erweiterte Einstellungen > Farbverwaltung.

Bild 15: Farbverwaltung; Einstellung der Profile für zwei Monitore

Jetzt müsst ihr nur noch einen Bildschirm nach dem anderen auswählen und die entsprechenden vorher erstellten Farbprofile auswählen. Nachdem das geschehen ist, wird für jeden Bildschirm das entsprechende Farbprofil verwendet und die Farben korrekt dargestellt.

Die Fachbegriffe, die ihr beim Monitor kalibrieren wichtig sind

Farbraum

Über Farbräume habe ich schon in Farbmanagement in Lightroom 5 – Ein kurzer Leitfaden geschrieben. Dort erkläre ich den Begriff und beschreibe, wie Lightroom helfen kann, den Monitorfarbumfang und den Farbumfang z.B. des Druckers sichtbar zu machen.

Farbtemperatur

Die Farbtemperatur ist definiert als die Temperatur eines schwarzen Körpers, des sogenannten Planckschen Strahlers, die zu einer bestimmten Farbe des Lichts gehört, das von dieser Strahlungsquelle ausgeht. Konkret ist es die Temperatur, deren Lichtwirkung bei gleicher Helligkeit und unter festgelegten Beobachtungsbedingungen der zu beschreibenden Farbe am ähnlichsten ist. (Quelle: Wikipedia – Farbtemperatur  )

Bild 16: Skala der Farbtemperatur (Quelle: Wikipedia)

Gamma

Die vom Menschen empfundene Helligkeit steigt in dunklen Bereichen steiler und in hellen weniger steil an. Soll das Helligkeitssignal eines nicht linear arbeitenden Anzeigegerätes, beispielsweise eines Monitors, linear wahrgenommen werden, muss es daher nichtlinear vorverzerrt werden, damit sich beide Nichtlinearitäten für den Betrachter am Ende wieder aufheben. Ein typischer Wert für Monitore, ist etwa ein Gamma von 2,2.

Bild 17: Demonstration des Gamma Faktors. Zwei nichtlineare Helligkeitskurven heben sich gegenseitig wieder auf. (Quelle: Ricardo Cancho Niemietz)

Oliver Haller

Oliver ist Reisefotograf und Experte für Bildbearbeitung mit Lightroom und Photoshop. Auf seiner Homepage photomonda findest Du Reisebeschreibungen und online Tutorials zu Lightroom und Photoshop.

2 Kommentare zu “Monitor kalibrieren – verständlich erklärt

  1. Hallo, habe eine frage, auf die ich bisher nirgendwo eine antwort finden konnte: wird zur hardware-kalibrierung des eizo cs2420 mit der colornavigator software und dem datacolor spyder der spyder mit usb am pc oder am monitor direkt angeschlossen?
    vielen dank für eine antwort

  2. Hallo,

    für Christian wird die Antwort zu spät kommen… es ist egal ob der spyder am pc oder Monitor angeschlossen wird. Es funktioniert beides.

    Hendrik

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