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Micro Four Thirds: Für wen ist eine Kamera mit MFT Sensor eine sinnvolle Anschaffung? Eine Analyse von Oliver Haller (photomonda)

Micro Four Thirds: Für wen ist eine Kamera mit MFT Sensor eine sinnvolle Anschaffung?

Seit ein paar Jahren gibt es spiegellose Systemkameras mit einem Micro Four Thirds (MFT) Sensor. Da die Qualität der Kameras immer besser wird, überlegen viele Fotografen, ob sie ihre klassische Spiegelreflexausrüstung durch eine Kamera mit MFT Sensor ergänzen oder gar ersetzen sollten. In diesem Beitrag möchte ich Euch erläutern, welche Vor- und Nachteile solche Kameras bieten und für wen sie geeignet sind.

Als praktisches Beispiel werde ich die Canon EOS 6D mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv und die Olympus OM-D E-M5 Mark II mit einem M.Zuiko Digital ED 12-40 mm f/2.8 Pro Objektiv vergleichen. Für die technisch interessierten: der Sensor der Canon EOS 6D ist 36 x 24,9 mm und hat einen Cropfaktor 1, bei der Olympus ist der Micro Four Thirds Sensor 17,3 x 13 mm groß und hat einen Cropfaktor 2.

Der Cropfaktor gibt das Längenverhältnis zwischen den Diagonalen zweier Aufnahmeformate (flächenmäßige Bildgröße) an. Um die Auswirkung der Brennweite von Objektiven bei unterschiedlichen Sensorgrößen vergleichen zu können, muss man sie mit dem entsprechenden Cropfaktor multiplizieren. Das 12-40 mm Objektiv für die Olympus OM-D entspricht daher einem 24-80 mm Objektiv bei einer Kamera mit Vollformat Sensor.

Die Vorteile von Kameras mit Micro Four Thirds Sensor

Gewicht und Größe

Für mich als Reisefotograf ist das Gewicht einer der wichtigsten Pluspunkte des Micro Four Thirds Systems. Die Kamera mit MFT Sensor wiegt ca. die Hälfte der Kamera mit Vollformat Sensor. Dieser Unterschied wird noch größer, wenn man nicht nur mit einem Objektiv reist, sondern mit einem ganzen Set. Mein derzeitiger Fotorucksack wiegt über 6 kg. Das beinhaltet natürlich neben der Kamera mit 24-70mm Objektiv auch noch ein Tele- und ein Weitwinkelobjektiv und Kleinteile (Lampe, Filter etc.). Dieselbe Ausstattung im MFT Format ist damit doch schon einige kg leichter.

Vollformat Gewicht MFT Gewicht
Gehäuse EOS 6D 755 g Gehäuse E-M5 Mark II 469 g
24-70 mm f/2.8 805 g 12-40 mm f/2.8 382 g
Summe 1560 g Summe 851 g

Gewichtsvergleich Vollformat vs. Micro Four Thirds

Dazu kommt natürlich noch, dass die Micro Four Thirds Kamera wesentlich kleiner und unauffälliger ist als die Vollformatkamera. Mit einem Filterdurchmesser von 82 mm ist die Canon so gewaltig, das damit Streetfotografie kaum möglich ist. Die Olympus ist mit ihren 62 mm schon wesentlich dezenter. Natürlich könnte man sich mit einer kleinen Festbrennweiter helfen, aber auch hier sind die Objektive für das MFT Format wesentlich kleiner und unauffälliger als die für die Vollformat Kamera.

Qualität der Objektive vs. Preis

Die geringere Sensorgröße und die damit verbundene geringere Größe der Objektive hat noch weitere Vorteile. Es ist für die Objektivhersteller viel einfacher eine hochwertige Linse bei wesentlich geringeren Kosten zu fertigen. Wenn es euch darum geht bis an den Rand gestochen scharfe Fotos mit tollem Kontrast und einem guten Preis-Leistungsverhältnis zu bekommen, ist das Micro Four Thirds Format das Richtige für euch.

Vollformat Preis MFT Preis
Gehäuse EOS 6D 1430 EUR Gehäuse E-M5 Mark II 1099 EUR
24-70 mm f/2.8 1718 EUR 12-40 mm f/2.8 999 EUR
Summe 3148 EUR Summe 2098 EUR*

Preisvergleich Vollformat vs. Micro Four Thirds (* Kit Preis = 1799 EUR); Stand April 2015

Nahpunkt

Bei Landschaftsaufnahmen ist es oft das Ziel, alles scharf darzustellen. Bei gleichem Bildausschnitt ist bei einer MFT Kamera der Nahpunkt, d.h. der nächste Punkt ab dem das Bild scharf ist, näher an der Kamera als beim Vollformat.

Nahpunkt Fernpunkt Hyperfokale Entfernung1
68 cm2 unendlich 176 cm

Kamera mit Vollformat Sensor: Objektiv 24 mm bei einer Blende von f/11

1Als hyperfokale Entfernung beziehungsweise hyperfokale Distanz wird in der Fotografie diejenige endliche Gegenstandsweite bezeichnet, bei der, wenn man genau auf diese Entfernung fokussiert, im Unendlichen liegende Objekte ebenfalls gerade noch mit akzeptabler Unschärfe abgebildet werden (Quelle: Wikipedia).
2Berechnet mit PhotoBuddy, einer App für das iPhone.

Nahpunkt Fernpunkt Hyperfokale Entfernung1
49 cm2 unendlich 88,5 cm

Kamera mit MFT Sensor: Objektiv 12 mm bei einer Blende von f/11

Nachteile von Kameras mit Micro Four Thirds Sensor

Schärfentiefe

Die Schärfentiefe einer Vollformat Kamera ist geringer als die einer Micro Four Thirds Kamera. Der Unterschied macht sich z.B. in der Porträtfotografie bemerkbar. Hier möchte man oft das Fotomodell freistellen, indem man den Hintergrund unscharf werden lässt. Wenn das Modell 3 m von der Kamera entfernt steht, gelten z,B. die folgenden Zahlen:

Nahpunkt Fernpunkt Schärfentiefe
288 cm 312 cm 23 cm

Kamera mit Vollformatsensor: Objektiv 80 mm bei einer Blende von f/2,8

 

Nahpunkt Fernpunkt Schärfentiefe
278 cm 325 cm 47 cm

Kamera mit MFT Sensor: Objektiv 40 mm (äquivalent zu einem 80mm Objektiv am Vollformatsensor) bei einer Blende von f/2,8

Um die gleiche Schärfentiefe wie bei der Vollformatkamera zu erzielen, müsste man bei der Kamera mit MFT Sensor Blende f/1,4 verwenden.

Fotografen, die als gestalterisches Mittel eine geringe Schärfentiefe einsetzen wollen, können diesen Nachteil korrigieren, indem sie Objektive mit sehr hoher Lichtstärke verwenden. Es gibt hier eine große Auswahl an Festbrennweiten die Lichtstärken bis zu f/0,95 bieten. Wenn einem die Schärfentiefe sehr wichtig ist, kann man sie mit den entsprechenden Objektiven trotzdem erreichen.

In der Makrofotografie wird der Nachteil der größeren Schärfentiefe beim MFT Sensor zum Vorteil. Durch die größere Schärfentiefe und die geringere Naheinstellgrenze ist es mit dem MFT Sensor einfacher Makroaufnahmen zu erstellen.

Rauschverhalten bei geringem Licht

Durch die geringere Sensorgröße und die damit verbundene geringere Größe der einzelnen Pixel hat der MFT Sensor ein höheres Rauschen bei geringen Lichtstärken. Hier wird der Nachteil der höheren Schärfentiefe plötzlich ein Vorteil.

Beispiel: Wenn man mit beiden Kameratypen das gleiche Foto machen möchte, d.h. die gleiche Schärfentiefe und gleiche Belichtung erzielen möchte, wählt man z.B. beim Micro Four Thirds Format Blende f/1,4 und beim Vollformat Blende f/2,8. Durch die damit verbundene höhere Lichtstärke beim Micro Four Thirds System reicht eine Lichtempfindlichkeit von z.B. ISO 800. Um beim Vollformat die gleiche Belichtung zu erreichen muss mann hingegen schon mit ISO 3200 fotografieren.

Bei gleicher ISO rauscht der Sensor der MFT Kamera natürlich deutlich mehr, durch den Blendeneffekt fällt das aber bei weitem nicht so dramatisch aus, wie es im ersten Moment den Anschein hat. Micro Four Thirds Kameras eignen sich daher auch sehr gut für Fotografien bei geringem Licht.

Weitere Nachteile

Neben den erwähnten Nachteilen der MFT Kamera gibt es noch weitere, die aber eher daher kommen, dass es eine spiegellose Kamera ist. So ist der Sucher bei der Olympus zwar schon so groß wie bei einer Vollformat Kamera, das echte Bild durch den Spiegel sieht aber immer noch besser aus. Da man im elektronischen Sucher aber auf der anderen Seite alle Daten einblenden kann, ist dieser Unterschied wohl eher eine Geschmacksache.

Außerdem haben Spiegelreflexkameras immer noch einen besseren Autofokus als Systemkameras. Wer als hauptsächlich sich bewegende Objekte fotografieren möchte ist mit einer Spiegelreflexkamera immer noch besser bedient. Das trifft sowohl für Sport- als auch für Tierfotografen zu.

Zusammenfassung

Kameras mit Micro Four Third Sensor sind eine echte Alternative zu Kameras mit größerem Sensor. Die bekannten Nachteile wie die geringere Schärfentiefe und das Rauschverhalten können mit Objektiven mit hoher Lichtstärke ausgeglichen werden. So eignet sich das Micro Four Thirds System insbesondere für Streetfotografie, Porträts (sofern man auch gerne mit Festbrennweiten fotografiert), Makrofotografie und für alle anderen Motive, die sich nicht zu schnell bewegen. Das Micro Four Thirds System ist aber wegen des noch etwas langsameren Autofokus noch nicht perfekt für Tier- oder Sportfotografie geeignet.

Für mich reichen die Argumente, um mir das Micro Four Third System noch weiter anzusehen. Ich habe gerade die Olympus OM-D E-M5 Mark II bei meinem Fotofachgeschäft Foto Wolf in Dresden bestellt und freue mich schon euch, nach der Theorie, auch die praktischen Seiten der Kamera beschreiben zu können.

Oliver Haller

Oliver ist Reisefotograf und Experte für Bildbearbeitung mit Lightroom und Photoshop. Auf seiner Homepage photomonda findest Du Reisebeschreibungen und online Tutorials zu Lightroom und Photoshop.

21 Gedanken zu „Micro Four Thirds: Für wen ist eine Kamera mit MFT Sensor eine sinnvolle Anschaffung?

  1. Hallo Oliver,

    was für mich in Sachen Sucher und Autofokus noch für die Olympus spricht, im Sucher kann ich auch gleich die Auswirkung der Belichtungskorrektur oder auch der Artfilter o.ä. sehen. Ferner hat die Olympus auch die AF-Punkte über den gesamten Sensor verteilt und die Gesichtserkennung und Augensensor funktionieren auch top.

    Gruß Mark

  2. Hallo Oliver,
    in Deinem Beitrag zu den Unterschieden zwischen Spiegelreflex- und Micro Four Thirds- Kameras schreibst Du vom Cropfaktor, vergiesst aber den, meiner Meinung, wichtigen Hinweis, dass es sich um einen Bezug zum Vollformat – entsprechend dem Kleinbildformat – handelt. Etwas hinkt nach meiner Auffassung Dein Vergleich dadurch, dass Du ein 24-70 Objektiv mit einem 12-24 Objektiv vergleichst. Hier gibt es bauartbedingt und fertigungstechnisch einfach Unterschiede, die keinen Vergleich standhalten; zumindest nicht ohne einen entsprechenden Hinweis dazu. Das eine, also der Zoomfaktor, die Brennweite und die größte Blende bedingen doch nicht grundsätzlich das andere, das Gewicht.
    Viele Grüße
    Georg

    1. Hallo Georg,

      danke für die Anmerkung. Welche Objektive würdest Du den dann miteinander vergleichen, wenn nicht die erwähnten 12-40 & 24-70 mm?

      Natürlich sind die Objektive aufgrund der unterschiedlichen Brennweiten anders aufgebaut. Das geringere Gewicht kommt, soweit ich das verstehe, nur teilweise aus der anderen Brennweite sondern hauptsächlich aus dem mit dem Sensorformat verbundenen Bildkreis. Bei einem kleinerem Bildkreis können die Linsen einen geringeren Durchmesser haben, was wiederum ein geringeres Gewicht bedingt.

      Viele Grüße,
      Oliver

  3. Hallo Oliver,

    ich wollte damit sagen, dass das Gewicht eines Objektives im Vergleich von verschiedenen Kamera-Systemen (Vollformat zu Micro Four Thirds und auch mit und ohne Spiegel) nicht hineinpasst. Zudem kommt es vielfach auf die Qualität an. Als Beispiel gibt es das – nach meiner Erfahrung richtige gute – Canon 50/1,8 mit einem Gewicht von 130 g und dann das 50/1,4 mit 290 g. Sigma hat ein Canon-Objektiv 50/1,4 mit einem Gewicht von 505 g. Ich kenne mich bei Micro Four Thirds – Objektiven nicht so aus. Doch aus meinem seinerzeitigen Vorlesungen der Optik habe ich noch im Hinterkopf, das es viele Faktoren gibt, die das Gewicht beeinflussen. Ein Hauptaugenmerk ist sicher das verwendete Material (Plastik, welches Plastik, Metall). Ich würde das Gewicht der Objektive nicht benennen, doch bekannte Vor- und Nachteile beschreiben. Was ich dazu weiß ist, dass es eine große Verfügbarkeit von Objektive für den MFT-Anschluß gibt.

    Viele Grüße,
    Georg

    1. Das m.zuiko 12-40 Pro ist dem EF 24-70L f4 qualitativ und von der Abbildungsleistung her überlegen. Insofern darf man durchaus auch das Gewicht positiv erwähnen. Wer die Linse einmal nutzen könnte, wird bei einem EF50 1,8 eher mit der Nase rümpfen. Dafür liegt allerdings auch zwischen den Preisen fast Faktor 10.

  4. Sehr schön auf den Punkt gebracht. Ich besitze jetzt auch seit ca. 3 Monaten wieder eine Olympus. Meine Hauptkamera ist eine Nikon D800. Und wie auch du schon geschrieben hast, die Olympus ist mein Zweitsystem und meine Immer-Dabei-Kamera, für das Motiv von unterwegs. Sie ist einfach klein, leicht und schnell zu bedienen ist. Meine Nikon würde ich nicht einfach mal so in meine Tasche werfen und überall mit rumschleppen.

    Gegenüber meiner Nikon hat sie noch den weiteren Vorteil, durch das integrierte WLAN und die ganzen ART-Modi, kann ich direkt von unterwegs outofcam meine Bilder sofort teilen. Und mit den Festbrennweiten (von denen leider nicht alle günstig sind) liefert sie super Ergebnisse ab. Sogar in Sachen Portrait. Klar, an ein 50mm 1.4 oder ein 85mm 1.8 kommt das 45mm 1.8 oder auch das 25mm 1.8 nicht ran aber die beiden machen dort trotzdem einen guten Job. Und mit der Gesichtserkennung ist das Fokussieren fast leichter als mit der Nikon.

    Der für mich momentan größte Nachteil, ist der hohe Stromverbrauch. Und das Gewicht relativiert sich bei mir dadurch, dass ich noch drei Akkus mit mir rumschleppe 🙂

  5. Sehr gute Präsentation des mFT-Systems, Oliver!

    Für mich hochaktuell, weil ich mich mit dem Gedanken trage, meine mFT-Ausrüstung (GH4 mit den besten Panasonic-Zooms) mit einem auf 1-3 Festbrennweiten beschränkten Sony A7II-System zu ergänzen. Alle Argumtene, die du zugunsten von mFT ins Feld geführt hast, entsprechen meiner Erfahrung! Inzwischen könnte man ergänzen, dass der Autofokus im AF-S- Modus sogar schneller und präziser arbeitet als bei den besten Spiegelreflexkameras. Nur sind diese im AF-C-Modus beim Nachstellen der Schärfe von Objekten besser, die sich schnell in Richtung Kamera bewegen, z.B. bei einem Hund, der den Stecken zurückbringt.

    Weshalb liebäugle ich trotz der mächtigen Vorteile von mFT mit dem grösseren Sensorformat einer Sony A7II?
    1. Schärfentiefe kann mehr begrenzt und Motive können deshalb besser freigestellt werden
    2. Mehr Auflösung (24 vs. 16MP)
    3. Etwas mehr Dynamik (grössere Bearbeitungsspielraum, Schatten können mehr hochgezogen werden, ohne das die Farben vermatschen)
    4. Feinere Farbverläufe – grössere Farbtiefe; Tonwertübergänge sind harmonischer, weniger harsch

    Noch zögere ich – denn ich habe gerade die Offerte meines Händlers für die A7II mit 2 Festbrennweiten (Batis 25mm/f 2.0 und FE 55mm/f 1.8) und etwas Zubehör vor mir liegen – Kostenpunkt 4’700 Schweizer Franken!!!

    Da kommt man schön ins Grübeln – umso mehr, als man die oben erwähnten Vorteile von Kleinbild oft nur am Bildschirm, und mehr Details auch dort nur in der 100%-Ansicht sieht, nicht aber in Ausdrucken bis ca. 50x70cm oder noch grösser.

    Ach was – wahrscheinlich bleibe ich doch ganz bei mFT – und kaufe mir zum besseren Freistellen noch das Nokton 17,5mm / f 0.95 dazu … … ??? – oder sogar das Nocticron, eventuell gebraucht.

    Wer die Wahl hat hat die Qual – psychologisch einfühlsame Kommentare deshalb willkommen!

    Gruss aus Bern,
    Markus

  6. Hallo Olliver,
    sehr treffender Artikel! Zeigt sehr eindeutig, dass grössere Schärfentiefe und Empfindlichkeit größerer Sensoren zum grossen Teil Scheinvorteile sind. Dass es aber für MFT zum Freistellen ausreichende Objektive hoher Lichtempfindlichkeit gibt, war mir nicht bekannt.
    Erwähnenswert ist noch
    – das geringere Auflagemaß (auch Flanschbrennweite genannt), das kompaktere Kameras-Objektiv-Kombinationen erlaubt und sich sich besonders bei Weitwinkelobjektiven vorteilhaft auswirkt.
    – der geringere Kontrastumfang bei MFT, was mir wichtig erscheint.
    Dennoch:
    Zumindest für die Reisefotografie ist MFT die ideale Kamera für den anspruchsvollen Fotografen.
    Siehe auch:
    http://www.axel-greb.de/eine-seite/kamerawahl/aps-c-oder-four-thirds/
    Meine Gratulation zum sehr guten und verständlichen Artikel.

    Axel Greb

  7. Ich bin als langjähriger Nikon DSLR – Fotograf seit anderthalb Jahren mit der EM1 unterwegs, sowie einer E-PL7 wenn ich was für den kleinen Wanderrucksack benötige. Meine letzte Nikon war die D610. Ich würde mich als interessierter Amateur beschreiben – fotografiere hin und wieder auch mal eine Hochzeitsgesellschaft.

    Mich zieht wirklich nix mehr zu einer klassischen DSLR. Ich gebe aber zu, dass es noch Momente gibt, wo ich das Freistellungspotential einer Vollformat – Kamera vermisse. Auch die absolute Reinheit der Bilder bei ISO 100 z.B. Grundsätzlich hat das aber eher was mit dem Sensor – weniger mit dem System zu tun. Mit einer Sony – Systemkamera wären auch diese Punkte bereinigt.

    Ein für mich äusserst wichtiger Punkt bei den Spiegellosen generell ist der, dass es keine AF – Zentrierungsprobleme mehr gibt. Das ist wirklich ein Segen. Was bin ich nicht alles zum Nikon Service gefahren und habe Objektive nachjustieren lassen. Auch die teuren Objektive wie mein 24-70 /2,8.

    Was für mich den Ausschlag für Olympus und gegen Sony gegeben hat, waren die verfügbaren Objektive und die deutlich praxisnähere Bedienung der Kamera. Ich finde nach wie vor, dass die EM-1 bedientechnisch auf allerhöchstem Niveau rangiert. Und mit jedem Firmware – Update wird es besser. Bei den Objektiven nutze ich sehr gern einen Mix aus lichtstarken Zooms und einigen Festbrennweiten. Und gerade da schwächelt Sony gewaltig. Ich habe die komplette 2,8èr Serie der Olympus Pro – Objektive, angefangen vom 7-14 bis zum 40-150 und derartiges gibt es einfach nicht bei Sony. Der Vorteil des grossen Sensors wird also durch wesentlich lichtschwächere und dabei noch nicht mal offblendetaugliche Zooms zunichte gemacht. Und die Abbildungsleistung der Oly – Zooms wird auch mit Abblenden der Sony – Zooms nicht erreicht. Für den der nur mit Festbrennweiten fotografiert, mag diese Kritik natürlich nicht zutreffen.

    Was mir noch zu denken gibt bei Sony: So schön wie es ist eine kompakte, spiegellose Vollformat Kamera zu haben, nur wenn man dort auch ein 24-70/2,8 Zoom anschraubt, ist der kleine Body eher hinderlich als ein Vorteil und der Grössenvorteil ist auch futsch. Von daher finde ich, dass das MFT-Format den besten Kompromiss darstellt. Selbst das 40-150 / 2,8 ist kleiner als mein ehemaliges 70-200/f4 von Nikon.

    Was den elektronischen Sucher der EM1 angeht, so ist er aus meiner Erfahrung DEUTLICH besser zu nutzen als der optische Sucher meiner D610. Gerade wenn es dunkel wird sieht man im EVF einfach mehr als im optischen Sucher. Wenn man den Sucher auf „hohe Bildfolge“ umstellt hat man auch keine Verzögerungen. Ich habe die Diskussionen noch nie wirklich nachvollziehen können, wo Leute den EVF der EM1 im Vergleich zu einer VF – Kamera kritisieren. Für mich ist er eindeutig besser – und die nächste Generation EVF mit nochmals doppelter Auflösung ist schon da (siehe Leica).

    Den AF der EM1 (Single wie Tracking) finde ich dagegen nur ok – aber ganz sicher nicht überwältigend. Das ist mir sofort nach dem Wechsel von der Nikon D610 aufgefallen. Und der AF der D610 ist bei Weitem nicht der Beste von Nikon. Lustiger weise hatte vor einigen Wochen ein uralte Canon EOS 20D mit dem an Billigkeit nicht zu unterbietenden 18-55mm Objektiv in meinen Händen (Betriebskamera unserer Firma). Aber bei der AF Geschwindigkeit im dunklen Räumen hat diese uralte Kombination meine EM1 mit dem 12-40mm Pro Objektiv alt aussehen lassen. Also von daher will ich trotz allem Überschwang zu dieser Kamera die Sachen bezüglich AF mal etwas relativieren. Bei allem Werbegetöse glaubt man ja fast schon, dass die EM1 eine Nikon D4 in den Schatten stellt. Also da gibt es noch einiges zu tun in Sachen Kontrast – AF.

    Trotzdem muss ich sagen, dass ich mit der EM1 – insbesondere mit der neuen Firmware 4.0 – nahezu all meine Wünsche an eine Kamera erfüllt sehe. Eine höhere Auflösung als 16MP habe ich noch nie benötigt und auch mit der gebotenen Dynamik und dem Rauschverhalten bin ich noch nie an die Grenzen gestossen. Natürlich fotografiere ich in erster Linie und das Filmen steht eher hinten an.

    Viele Grüsse
    Frank

    1. Hallo Frank, vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Nachdem ich jetzt schon eine Zeit lang mit der Olympus EM-5 fotografiere, kann ich mich dem nur anschließen. Viele Grüße, Oliver

  8. Danke, dass Du Systemkameras eine Chance gibst. Die Gewichts- und Größenvorteile sind wirklich der Hammer.

    Trotzdem ein Einwand gegen MFT:

    „Hier wird der Nachteil der höheren Schärfentiefe plötzlich ein Vorteil.
    […]
    Durch die damit verbundene höhere Lichtstärke beim Micro Four Thirds System reicht eine Lichtempfindlichkeit von z.B. ISO 800. Um beim Vollformat die gleiche Belichtung zu erreichen muss mann hingegen schon mit ISO 3200 fotografieren.“

    Vom Rauschverhalten entspricht ISO 800 bei MFT in Näherung ISO 3200 bei Vollformat. Das heißt man muss sowohl für äquivalente Tiefenschärfe als auch für äquivalentes Rauschverhalten ein f/1.4 Objektiv verwenden statt einem f/2.8 Objektiv. Das klingt für mich nicht nach einem Vorteil oder übersehe ich etwas?

    Hier die aktuell besten Sensoren für MFT, APS-C und Vollformat im Vergleich:
    http://www.dxomark.com/Cameras/Compare/Side-by-side/Panasonic-Lumix-DMC-GX8-versus-Sony-A7R-II-versus-Samsung-NX500___1041_1035_1007

    Ich rate Umsteigern von DSLR auf Spiegellos unbedingt zu APS-C-Kameras, z.B. Fuji, Sony oder Samsung mit Crop-Faktor 1,5. Die APS-C-Kameras sind nur unwesentlich größer, schwerer und teurer als MFT und sind von der Äquivalenz gesehen fast doppelt so lichtstark wie MFT. Mehr Infos zu den verschiedenen Herstellern und Vor-/Nachteile von verschiedenen Objektiv-Mounts bei Systemkameras:
    http://www.flocutus.de/systemkamera-reise-objektiv-mount/

    Bei DPreview ist die sogenannte äquivalente Brennweite sehr gut erklärt mit Beispielbildern
    http://www.dpreview.com/articles/2666934640/what-is-equivalence-and-why-should-i-care
    http://www.dpreview.com/articles/5365920428/the-effect-of-pixel-and-sensor-sizes-on-noise

    1. Hallo Florian,

      deine Anmerkungen bezüglich Rauschverhalten sind richtig, aber nur dann, wenn eine Vollformatkamera die gleiche Auflösung wie die zum Vergleich herangezogene MFT Kamera hat. Also nur bei16MP Vollformat hat man einen Vorteil von 2 ISO Stufen gegenüber einer 4/3 Kamera mit16MP. Nicht aber wenn die Vollformatkamera 40MP oder mehr besitzt.

      Jetzt könnte man natürlich dagegen argumentieren, dass man die 40MP Vollformat wieder runter auf 16MP zurückcroppen könnte, um so den gleichen Abstand herzustellen, wie bei einer native 16MP Vollformatkamera.
      Aber die Pixelgrösse und damit die native Lichtempfindlichkeit pro Pixel ist deutlich geringer als vielmals angenommen.

      Aber schlussendlich ist das alles Jacke wie Hose. Man kann einen Vergleich nur dann anstellen, wenn man wirklich die gleichen Bedingungen vorliegen hat.

      Beispiel 50mm Brennweite KB äquivalent:
      Wenn man eine Oly EM1 mit dem 25mm F1.8 nutzt, hat man in der Tat 2 Stufen weniger als wenn man mit einem 50mm f1.8 an einer Canon 6D fotografiert.

      Und um diesen Abstand einzuhalten, wird das mit zunehmender Brennweite immer schwieriger:
      Beispiel 2:
      Ich nutze das 40-150Pro /2.8 an der EM1. Bringt mir am Ende einen Bildausschnitt von 300mm KB äquivalent. Um wieder ungefähr 2 Stufen besser zu sein, müsste ich die Canon 6D mit dem 70-200mm f2,8 ausstatten hätte aber dann nicht mehr ganz die Brennweite. Ok man kann noch ein wenig croppen aber das wird schon schwieriger…

      Und nun Beispiel3 – das neue Oly 300mm f4:
      Bringt mir an der EM1 ein 600mm KB äquivalentes Bild bei immer noch f4 Lichtstärke. Wie bekomme ich das mit der 6D hin? Tamron 150-600. Tja aber das hat nur noch f6,3 bei 600mm. Bleiben also gerade mal noch 2/3 mehr an ISO Performance übrig. Bei der Abbildungsqualität unterstelle ich mal dem 300mm f4 ein deutlich höheres Level – das Tamron sollte sogar noch ein wenig abgeblendet warden. Was bleibt dann noch vom Vorteil? Fast nix mehr.

      Aber merkst du was? Wir sprechen über Theorien und Äquivalenzen -> wirklich zielführend ist das nicht. Eine Kamera allein hilft dir nix wenn du keine guten Objektive hast.

      Du rätst z.B. man solle auf Samsung umsteigen. Dann lass mich mal überlegen: Welchen gut ausgebauten Objektivpark bietet Samsung gleich nochmal genau an? Oder welche Top – Objektive hat Sony gleich nochmal im DX Vormat parat? Fuji ist aus meiner Sicht die einzige wirkliche Alternative – aber nicht wegen der Sensoren sondern wegen der hervorragenden Objektive. Das ist der einzige Hersteller der im DX Segment wirklich konsequent Premiumobjektive anbietet.

      Ein Kamerasystem ist zum Glück viel mehr als nur Sensor und hypothetische Rauschempfindlichkeit. Für mich ist MFT der beste Kompromiss aus Grösse / Gewicht / Kosten. Zwar ist es ganz sicher nicht billig – ich komme bei mir auch schon auf über 6.000€ Anschaffungskosten (und das 300mm f4 steht noch aus) – aber um das mit Vollformat zu erreichen wäre ich ganz sicher schon 5-stellig. Der Anspruch dort ist ja auch, dass man besser wird als MFT und nicht nur gleich gut.

      Gruss
      Frank

      1. … Und nun Beispiel3 – das neue Oly 300mm f4:
        Bringt mir an der EM1 ein 600mm KB äquivalentes Bild bei immer noch f4 Lichtstärke. Wie bekomme ich das mit der 6D hin …

        Canon EF 600 f/4 L IS USM …?
        Um nicht zu vergessen – das 300er Oly ist und bleibt ein 300 f4 und ist fertigungstechnisch wie ein Canon 300 f4 oder ein Nikon 300 f4 angesiedelt. Dafür ist der Preis des Olys schon ganz schön happig. Es heißt ja immer Vollformatobjektive sind so teuer …

        1. Also ich fotografieren schon lange mit Oly und bin von Canon weg weil einfach alles zu schwer und teuer. Wie kann man ein 11000€ Objektiv mit einem vergleichen was weniger als ein Viertel kostet? Erst denken und dann schreiben.

  9. Ich schwanke zwischen Leica M9 (Vollformat) und MFT . Eigentlich gefällt mir MFT gut, klein, leicht, Autofokus, viel günstiger. ABER:
    Ich stelle sehr gerne durch offene Blende und geringe Tiefenschärfe frei. An einer Vollformatkamera Blende 2.0 und weniger. Von den normalen Objektiven mit Autofokus käme da als MFT Pendant zur 50 mm Normalbrennweite das Panasonic Summilux 25 mm 1.4 in Frage. Wenn ich richtig rechne entspricht das aber Blende 2.8 am Vollformat, richtig??? Zum Freistellen für Portraits nicht so toll. Bleibt Voigtländer Nokton 25 mm 0.95. Groß, schwer, manuell – eher Notlösung als wirklich überzeugend, da die Vorteile des MFT Systems damit zu einem guten Stück verloren gehen.
    Bei allen Vorteilen des MFT Systems, kann man es jmd der gerne freistellt und geringe Tiefenschärfe haben möchte guten Gewissens empfehlen?

    Bin gespannt auf Eure Meinung
    Jörg

  10. Irgendwie (warum?) wurde die Schwäche der MfT bei Landschaftsaufnahmen nicht erwähnt. Die Canon 6D ist in diesem Punkt traumhaft und die MfT ist da sehr frustrierend.

  11. Eure Diskussionen zum Mikro Four third sind sehr interessant.
    Ich habe nun seit zwei Jahren eine Oly M5 und bin sehr zufrieden. Mein Sohn will jetzt auch von Nikon auf Four-Third System umsteigen, und schwankt zwischen Olympus e1 und Sony A7 ii. Hat jemand von euch damit Erfahrungen gemacht?
    Bisher haben meine Nachforschungen ergeben, dass die Olympus im Autofokus, Sucher, der Bedienung und der Auswahl an Objektiven ihre Vorteile habe, die Sony im Videobereich, bei geringen Lichtverhältnissen, aber bedingt durch den grösseren Sensor schon wieder grösser und schwerer sei. Welche Kamera würdet ihr vorziehen
    Christoph Schmid
    P.S. Ich und mein Sohn sind ambitionierte Hobbyfotografen, bei meinem Sohn wird es wohl zu einem Teil seines Berufes werden.

  12. Hallo Oliver
    dir erst einmal einen schönen Abend, guten Morgen
    habe dein Infobericht gelesen und kann nur sagen DANKE denn man findet wenig Aussage bei den Computerhefte oder auch Fotohefte da geht es nicht so ins Detail. Und ich habe mich auch nun schon längere Zeit damit beschäftigt für einen weiteren Foto evtl. zu Kaufen doch wenn man sich so einen Tag im Netz sich durcharbeitet weiß man am Abend nicht mehr was ist wirklich besser. Ich möchte mir eine Systemkamera Kaufen und das Auge hat sich verliebt in die Olympus OM-D E-M10 Mark II mit dem Kit 14-42mm diese ist sehr Kompakt und sollte den Hobbybereich gut abdecken. Denke schon das ich hier bessere Fotos bekomme wie jetzt mit meine sehr Kompakte Nikon Coolpix P7800 oder ?
    Ja wenn ich hier den Fotosensor sehe dann steht natürlich die Olympus besser da wie die P7800 mit ihrem 1 1/7. Zwar hat die P7800 hat das Lichtstärke Objektiv 1:2-4 6.0-42,8 Zoom ca 7,0 nun die Olympus 1: 3,5-5,6 Brennweite 14-42mm und weniger Zoom. Wenn ich kein anderes Objektiv wegen der Handlichkeit kaufen möchte sind da die Vorteile im Bild wirklich so groß? Lohnt es sich dann überhaupt hier ca 650€ in die Hand zu nehmen? Was mir auch etwas unklar ist mit den Objektiven einmal wird die Olympus für ca 650€ Angeboten mit dem Kit 14-42mm Brennweite auf MFT Sensor und dann für ca 100€ mehr auf APS-C Sensor ergibt es hier überhaupt einen Sinn die 100€ mehr in die Hand zu nehmen?
    Danke erst mal für kurzes Info
    Mit freundlichen Grüßen
    Egon

    1. Hallo Ego,

      einen signifikaten Unterschied zu deiner CoolPix wirst du auf jeden Fall sehen. Alleine schon auf Grund der Tatsache, dass du viel mehr Kontrolle über die Belichtung hast. Für deinen angegeben Bereich als Hobbyfotograf wirst du mMn sehr glücklich mit der EM10ii sein. Dazu kommt noch, dass du das System nach und nach deinen Wünschen nach anpassen kannst. Eine Einschränkung sehe ich, wenn du gerne schnelle Sportarten oder Bewegungen fotografieren möchtest. Da bräuchtest du mehr Erfahrung und Ahnung von dem Sport um mit der EM10ii gute Bilder zu bekommen, weil sie keine Sportskanone ist :D.

      Falls du das aber auch noch abdecken magst, dann empfehle ich dir auf die EM10 Mark 3 zu warten. Die soll das gleiche Autofokussystem bekommen, wie die jetzt ganz neue EM1 Mark 2. Das System ist massive für Sport verbessert worden!

  13. Das war ein kompakter und sehr kompetenter Beitrag.
    Etwas fehlt. Es gibt die metabones speedbooster. Damit verwandelt man mfT in ein ‚Monstersystem‘. ;).

  14. Hallo,

    vielen Dank für den ausführlichen Beitrag.

    Ich selbst fotografiere mit einer Panasonic DMC-G5, unter anderem auch mit einem Festbrenweitenobjektiv (25mm 1.7). Vor allem abends oder innen bemerkt man meins Erachtens sehr den Unterschied zw. Festbrennweite und Kit(Zoom)-Objektiv.
    Man kann deutlich bessere Bilder freihand und ohne Blitz machen da die große Blende eine kürzere Verschlusszeit erlaubt – ohne den ISO-Wert sehr hoch stellen zu müssen (was die Bilder verrauschen würde).

    Bis jetzt bin ich sehr zufrieden obwohl es natürlich noch viel auszuprobieren gibt.

    Eine kleine Auswahl meiner Bilder gibt es unter https://www.cielitolindo.de

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