Lightroom vs. Photoshop. Welche Software ist die richtige für Dich? Hier schreibe ich über die wesentlichen Unterschiede und erläutere, warum ich Lightroom für Fotografen vorziehe.

Lightroom vs. Photoshop – Welche Software ist die Richtige für Dich?

Mit modernen Digitalkameras können wir sehr gute Fotos machen, die direkt von der Kamera oder der SD Karte im Fotofachgeschäft bestellt oder gedruckt werden können. Wer aber den Anspruch hat, wirklich gute Fotos zu machen, kommt an einer modernen Fotobearbeitung am Computer nicht vorbei. Mit so einer Software ist es möglich die Fotos im Computer zu archivieren, bei der „Entwicklung“ das Beste aus den Fotos herauszuholen, und die Fotos wieder unter die Menschen zu bringen, indem man sie druckt, Fotobücher erstellt oder auf eine Homepage hoch lädt.

Adobe ist mit seinen Produkten „Lightroom 5“ und „Photoshop CC“ (oder Photoshop Elements = PSE) der Platzhirsch unter diesen Fotobearbeitungsprogrammen. Welche dieser beiden Programme das Richtige für euch ist, wisst ihr nachdem ihr diesen Beitrag gelesen habt.

Was kann Adobe Lightroom?

Lightroom (es wird auch Adobe Photoshop Lightroom genannt) wurde für Fotografen geschaffen und unterstützt daher den gesamten fotografischen Workflow. Dieser Workflow wird in sogenannte Module gegliedert. Lassen sie uns mit den langweiligeren aber trotzdem wichtigen Aufgaben anfangen, dem Archivieren, Sortieren und Beschriften, bevor wir uns dem spannenden Thema der Bildbearbeitung widmen.

Das Bibliothek Modul

Hier können im Wesentlichen die folgenden Aufgaben erledigt werden:

  • Import von Fotos von der Kamera oder der SD Karte in den PC
  • Erstellen von Sammlungen. Eine Sammlung entspricht etwa einem Ordner ist allerdings vom konkreten Speicherort der Daten unabhängig. So kann man z.B. eine Sammlung für ein Fotobuch anlegen und dabei Bilder aus unterschiedlichen Ordnern auf der Festplatte verwenden.
  • Sichtung von Fotos. Unterschiedliche Darstellungen erleichtern das Editieren und Sichten von Fotos. Außerdem können Fotos hier bewertet oder mit Attributen (z.B. Farben, Flaggen) versehen werden.
  • Stichwörter und Metadaten. Hier können Fotos oder mit Stichwörtern versehen werden, um später die gesuchten Bilder schneller wieder zu finden. Außerdem kann man die EXIF Metadaten der Bilder einsehen und editieren. Diese Daten beinhalten z.B. die Belichtungszeit, Blende, verwendete Kamera und Objektiv.
  • Export von Fotos. Fotos können in unterschiedlichsten Größen und Dateiformaten exportiert werden, um sie in Homepages einzubauen, auf Tablets oder eine Homepage hochzuladen.

Bild 1: Das Bibliothek Modul

Das Entwickeln-Modul

Jetzt wird es spannend. Sobald die Fotos importiert und gesichtet sind, kann man mit der Bildbearbeitung loslegen. Es können alle gängigen Formate wie JPEG oder RAW bearbeitet werden. Dazu wird ein Foto mit der Maus markiert und das Entwickeln-Modul geöffnet.

Bild 2: Das Entwickeln Modul; linke Seite

Auf der linken Seite finden wir jetzt die folgenden Funktionen:

  • Navigator. Das Bild zeigt immer das gesamte Foto, so dass man den Überblick behält auch wenn in hoher Vergrößerung gearbeitet wird.
  • Vorgabe. Sie werden oft auch Presets genannt. Vorgaben sind vordefinierte Einstellungen des Entwicklungsmoduls. Mit ihnen kann ein bestimmter Look z.B. kraftvolle Farben oder schwarz/weiß Entwicklung eingestellt werden. Vorgaben können auch aus dem Internet herunter geladen werden und so die Entwicklung der Fotos vereinfachen und beschleunigen.
  • Schnappschüsse. Ist wonach es klingt. Eine Momentaufnahme in der Entwicklung der Fotos auf die man auch später noch zurück kommen kann.
  • Protokoll. Hier wird akribisch jeder einzelne Entwicklungsschritt aufgezeichnet. Falls gewünscht kann damit entweder der Prozess rückgängig gemacht werden oder man kann das aktuelle Bild mit früheren Bearbeitungsständen vergleichen.

Global wirkende Entwicklungstools

Die eigentlichen Entwicklungsmöglichkeiten befinden sich auf der rechten Seite des Entwickeln Moduls. Eine Übersicht findest Du in Bild 4, weiter unten. Es beinhaltet fast alles was ein Fotograf benötigt:

  • Histogram. Es gibt einen Überblick über die Tonwertverteilung im Bild. Mit etwas Übung kann man hier sehen ob das Bild unter oder überbelichtet ist oder mit welchen Maßnahmen man das Bild noch weiter verbessern kann.
  • Grundeinstellungen. Sie können viel mehr als der Name vermuten lässt. Neben den Einstellungen für Farbtemperatur, Helligkeit und Kontrast gibt es noch Regler für Lichter, Tiefen, Weiß und Schwarz mit denen man bei manchen Fotos wahre Wunder bewirken kann. Das gilt insbesondere für Aufnahmen bei denen ein hoher Kontrast zwischen dem hellsten und dunkelsten Tonwerten besteht, also z.B. bei Aufnahmen im Gegenlicht.
  • Gradationskurve. Ist ein Werkzeug für erfahrene Fotografen. Gradationskurven wurden insbesondere bei Photoshop viel verwendet. Bei Lightroom sind sie dank der anderen Einstellmöglichkeiten eigentlich nicht notwendig, wurden aber eingebaut, da es auch Nutzer gibt die sich an diese Art der Einstellung gewöhnt haben.
  • HSL. Steht für Farbton, Sättigung und Luminanz. Damit können einzelne Farbtöne verändert werden. Bei richtiger Verwendung kann man hier sehr schöne Effekte erzielen, indem man z.B. die Sättigung von Grüntönen selektiv erhöht.
  • Farbe und S/W machen genau wonach sie klingen. Man kann damit das Bild einfärben oder in ein schwarz – weiß Bild umwandeln.
  • Teiltönung ist eine fortgeschrittene Technik. Hier können z.B. Highlights und Tiefen mit anderen Farben gefärbt werden. Dadurch kann man u.A. den Look von alten Fotos nachmachen. Am Anfang ist es aber einfacher Vorgaben zu verwenden, die genau diesen Effekt haben.
  • Details ist eine sehr wichtige Funktion. Hier kann einerseits das Rauschen von Bildern reduziert werden die mit hohen ISO Werten aufgenommen wurden. Andererseits können Bilder im Nachhinein geschärft werden, was insbesondere bei RAW Aufnahmen wichtig ist, da diese noch nicht in der Kamera geschärft wurden.
  • Objektivkorrektur. Gleicht Objektivfehler aus. Eine tolle Funktion, damit kann man auch billigere Objektive verwenden und viele (aber leider nicht alle) Fehler wieder beseitigen. Entfernt werden können Bildverkrümmungen oder auch Farbfehler. Was nicht beseitigt werden kann ist fehlende Schärfe, die bei billigen Objektiven oft im Randbereich bei sehr kleinen oder sehr großen Blenden entsteht.
  • Effekte. Hier kann man nachträglich z.B. eine Vignettierung einfügen. Das ist sehr hilfreich wenn man das Auge des Betrachters auf das innere des Bildes lenken will.
  • Kamerakalibrierung. Diese Funktion ist Kamerahersteller spezifisch. Es können wie auch in der Kamera verschiedene Modi wie Landschaft oder Porträt eingestellt werden.

Bild 3: Lokale Werkzeuge im Entwickeln Modul

Lokal wirkende Entwicklungs-Tools

Direkt unter dem Histogramm befinden sich die Elemente, die nicht global, also auf das gesamte Bild, sondern lokal eingesetzt werden können. Dazu gehören:

  • Freistellungs-Werkzeug. Mit dieser wichtigen Funktion können Bilder zugeschnitten oder gerade gerichtet werden.
  • Mit diesem Werkzeug können störende Elemente wie Stromleitungen oder Staubflecken beseitigt werden.
  • Rote-Augen Korrektur. Macht genau wonach es klingt.
  • Verlaufsfilter. Damit können Verläufe in das Bild eingebaut werden. So kann man z.B. einen Himmel nach oben hin dunkler werden lassen. Der Verlauf funktioniert aber nicht nur mit Helligkeit sondern auch mit vielen anderen Parametern, die in den globalen Einstellungen zur Verfügung stehen (z.B. Sättigung, Schärfe, Kontrast)
  • Radial Filter. Macht im Wesentlichen genau das Selbe wie das Verlaufsfilter, jedoch mit einer elliptischen Form.
  • Korrekturpinsel. Hat auch dieselben Funktionen wie das Verlaufsfilter oder das Radial Filter, kann aber die lokalen Änderungen beliebig mit einem Pinsel auf das Bild auftragen. Ohne hier zu viel Vorweg nehmen zu wollen, diese drei Filter sind der Grund warum viele Fotografen immer weniger zu Photoshop greifen, sondern ihre Bilder alleine mit Lightroom bearbeiten.

Neben den hier im Detail beschriebenen Modulen bietet Lightroom auch noch Module mit denen man die GPS Daten der Fotos auswerten, Fotobücher gestalten und drucken, Diashows machen, Bilder drucken oder Webgalerien erzeugen kann.

Auch ist es möglich Lightroom mit Plug-Ins wie der Nik Collection von Google oder externen Programmen wie Photomatix Pro (erstellt HDR Bilder) zu verknüpfen.

Weitere wesentliche Eigenschaften von Lightroom sind, das Lightroom zerstörungsfrei arbeitet, d.h. man immer zu einer früheren Bearbeitungsversion zurück gehen kann. Die bearbeiteten Bilder werden nicht als neues Bild abgespeichert sondern platzsparend aufgezeichnet. Eine neue Kopie eines Bildes entsteht erst, wenn ein Bild exportiert wird.

Was kann Adobe Photoshop?

Photoshop CC oder PSE wurde nicht alleine für Fotografen sondern auch für Designer entwickelt. Es deckt daher nicht den gesamten Workflow des Fotografen ab, bietet aber zusätzliche Funktionen die weit über die Möglichkeiten von Lightroom hinaus gehen.

In jedem Fall bietet Photoshop auch ein Entwicklungsmodul, den Camera RAW Converter. Er hat exakt die Funktionen des Lightroom Entwicklungsmoduls, ist aber optisch weniger ansprechend und nicht ganz so übersichtlich aufgebaut.

Bild 4: Vergleich Adobe Lightroom Entwickeln Modul und Camera RAW Converter von Adobe Photoshop

Der eigentliche Vorteil von Photoshop liegt aber in den folgenden Funktionen:

  • Pixel-Editing. Digitale Bilder bestehen aus einzelnen Bildpunkten, den Pixeln. Photoshop bietet die Möglichkeit solche Pixel einzeln zu editieren. Das kann Vorteilhaft sein, wenn man Bildelemente im Detail verändern möchte.
  • Layer. In Photoshop wird ein Bild aus einzelnen Lagen, den Layern zusammengesetzt. Man kann sich solche Layer wie Folien vorstellen, die übereinander gelegt werden. Damit können verschiedene Bilder übereinander gelegt werden.
  • Masken. Jedem Layer kann eine Maske zugeordnet werden. Masken sind schwarz weiß Bilder. An den Stellen an den eine Maske weiß ist, ist der zugeordnete Layer sichtbar, an den Stellen, an denen sie schwarz ist hat ein Layer keinen Effekt. Die eigentliche Stärke von Photoshop kommt also aus dem Zusammenspiel von Layern und Masken. Man kann hier z.B. verschiedene Bilder zu einem Bild zusammenstellen, Texte einfügen, den Himmel austauschen und viel mehr.
  • Vielseitige Toolbox. Alle Funktionen die Lightroom bezüglich lokaler Veränderungen bietet kann Photoshop auch. Hier sind sie in Summe noch viel ausgefeilter und wirkungsvoller. Das bedeutet aber auch, dass die Bedienung komplexer wird und auch die Einarbeitung länger dauert.
  • Weitere Funktionen. Photoshop kann u.A. Bilder zu Panoramabildern zusammensetzen, HDR (high dynamic range) Bilder erstellen und bietet noch eine Vielzahl anderer nützlicher Funktionen die in Spezialfällen sehr hilfreich sein können.

Photoshop ist also eine reine Bildbearbeitungs-Software. Wesentliche Elemente, die ein Fotograf in seinem Workflow benötigt sind nicht enthalten sondern wurden in andere Applikationen ausgelagert. So gibt es Bridge, eine weitere Software von Adobe, die die Archivierung und Verwaltung von Fotos abdeckt.

In Summe bietet Photoshop also, wenn es um das Entwickeln von Fotos geht, einen höheren Funktionsumfang. Die Einarbeitungszeit ist aber auch viel länger, es wird oft nicht zerstörungsfrei gearbeitet und die Resultate müssen immer neu abgespeichert werden, was zusätzlichen Speicherplatz benötigt.

Welche Software ist die richtige für Dich?

Als Zusammenfassung, hier noch einmal die Vorteile, die Lightroom im Vergleich zu Photoshop bietet:

  • Optimaler Workflow. Lightroom ist an den Workflow eines Fotografen angepasst. Es bietet in einer Software sowohl Katalogmanagement als auch Entwicklung und Ausgabe an unterschiedliche Medien wie Drucker, Diashows und Bildgalerien für Homepages
  • Schnelleres Arbeiten. Der optimierte Workflow ermöglicht ein schnelleres Arbeiten. Das ist für viele Fotografen, die auf Lightroom umsteigen, ein wesentliches Argument, da heute oft sehr viele Fotos gemacht und bearbeitet werden müssen
  • Lightroom ist speicherschonend. Bei Photoshop muss man nach einer Bearbeitung ein neues File anlegen und verdoppelt oder vervielfacht damit den benötigten Speicher. Lightroom hingegen speichert nur die Änderungen im Katalog, den XMP oder DNG Datein, was weniger Speicherplatz benötigt. Außerdem gibt es die Möglichkeit virtuelle Kopien eines Bildes anzulegen, wenn man Bilder auf unterschiedliche Weise entwickeln möchte
  • Zerstörungsfrei. Lightroom wurde als zerstörungsfreie Bildbearbeitung konzipiert. Jeder Bearbeitungsschritt kann wieder rückgängig gemacht werden. Man kann auch im Nachhinein die Entwicklung abändern, da alle Daten noch vorhanden sind
  • Einfaches Farbmanagement. Hier besteht ein großer Unterschied zu Photoshop, da Lightroom zwingend einen sehr großen Farbraum verwendet, der eng an ProPhoto RGB angelehnt ist. Dadurch wird das gesamte Farbmanagement vereinfacht. Außerdem erfolgt die Bearbeitung immer mit einer Bittiefe von 16Bit, was den positiven Effekt hat, dass weniger Artefakte durch die Bildbearbeitung entstehen. Die Konvertierung in andere Farbräume wie sRGB erfolgt erst nach der Bearbeitung beim Exportieren oder Drucken. Damit das Farbmanagement sinnvoll ist müsst ihr auf jeden Fall euren Monitor kalibrieren 
  • Schneller zu lernen. Photoshop enthält viele Funktionen, die für einen Fotografen nicht wirklich notwendig sind, da es auch für Grafikdesigner geschaffen wurde. Durch die Konzentration auf das für einen Fotografen wesentliche ist Lightroom viel schneller zu erlernen und stellt daher von dieser Warte aus die ideale Software für den Einstieg in die Bildbearbeitung dar. Das ist zwar nur ein unwesentliches Argument für jemanden, der schon seit langem Photoshop benutzt, soll hier aber nicht unerwähnt bleiben

Ich verwende für 90% meiner Fotos nur noch Lightroom. Nur bei Panoramafotografie oder falls Lightroom keine zufriedenstellenden Ergebnisse bei Bearbeitung mit dem Korrekturpinsel oder den Filtern bietet wechsle ich zu Photoshop.

Aufgrund der oben gelisteten Vorteile, empfehle ich Anfängern immer sich auf Adobe Lightroom zu konzentrieren. Später, wenn Lightroom gemeistert wurden, kann man sich immer noch in Photoshop PSE oder CC einarbeiten und die ausgefeimteren Funktionen verwenden. Daher veranstalte ich auch regelmäßig Lightroom online Tutorials. 

Oliver Haller

Oliver ist Reisefotograf und Experte für Bildbearbeitung mit Lightroom und Photoshop. Auf seiner Homepage photomonda findest Du Reisebeschreibungen und online Tutorials zu Lightroom und Photoshop.

Ein Kommentar zu “Lightroom vs. Photoshop – Welche Software ist die Richtige für Dich?

  1. hallo Herr Haller,
    ich bin auch sehr an der Fotografie interessiert, und versuche beide Sachen zu kombinieren, und würde auch gerne an den Lightroom Seminaren teilnehmen. viele Grüße Bernd Raab

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