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Titelbild-Sortieren-von-Fotos

Fotos selektieren – Eine Anleitung für Lightroom

Geht es euch auch so, ihr kommt nach dem Urlaub nach Hause und habt ein paar Tausend Urlaubsfotos gemacht. Die Fotos müssen aber noch sortiert und bearbeitet werden. Da der Job einen schnell wieder einholt, bleibt die Arbeit oft erst einmal liegen. Eigentlich schade, da ja viele schon gespannt auf die Urlaubsfotos warten.

In diesem Artikel will ich euch zeigen, wie ihr in Lightroom schnell Fotos selektiert und die besten aussuchen könnt. Außerdem erfahrt ihr, warum es mir so wichtig ist, nur die besten Fotos zu zeigen.

Fotos selektieren – Warum ist das wichtig?

Kennt ihr noch die Diaabende von früher. Ein Freund kommt aus dem Urlaub zurück und zeigt an einem Abend 700 Fotos. Darunter zwanzigmal dieselbe Ansicht oder das gleiche Motiv. Nach einer Stunde war die eine Hälfte der Zuschauer eingeschlafen und die andere gähnte schon.

Ich zeige immer noch gerne meine Fotos. Jetzt nicht mehr als Diashow, sondern am Fernseher oder im Fotobuch. Bei der letzten Südafrikareise habe ich über 3.000 Fotos gemacht, zeige aber maximal 200 an einem Abend. Im Portfolio auf meiner Homepage findet ihr gerade einmal 33 Fotos von dieser Reise.

Für mich gibt es mehrere Gründe die Anzahl der Fotos so stark zu reduzieren.

  1.  Ich möchte meinen Zuschauern eine spannende Präsentation Selbst wenn alle Fotos super wären, so würde die Aufmerksamkeit bei fast allen nach 200 Fotos schon deutlich leiden. Sie gingen nicht mit dem Gefühl nach Hause Fotos von einer tollen Reise gesehen zu haben, sondern erinnern sich vielleicht eher daran, dass es lange gedauert hat.
  2. Noch wichtiger ist mir aber, dass ich nur Fotos zeigen möchte, von denen ich wirklich überzeugt bin. Daher wähle ich die Besten aus und zeige sie auf meiner Homepage. Alle die sie sehen sind dann (hoffentlich) der Meinung, dass ich ein guter Fotograf bin. Wenn ich hingegen auch nicht so gute Fotos zeigen würde, dann würdet ihr sagen „Er macht sehr gute Fotos, aber dies oder jenes ist doch nicht so gut. Er kann also kein wirklich guter Fotograf sein“. Unter uns, auch die besten Fotografen machen manchmal mittelmäßige Bilder. Der Unterschied ist nur, dass sie sie nicht herzeigen. Daran sollte ihr euch ein Beispiel nehmen, wenn ihr euer Profil als Fotograf verbessern wollt.
  3. Der dritte Grund ist, dass auch mit der besten Software eine gute Bildbearbeitung Zeit benötigt. Ich fotografiere im RAW Format und muss (oder will) daher jedes Foto, dass ich zeige, bearbeiten. Hier gibt es viele Tricks, das schneller zu machen, eine wirklich gute Bearbeitung benötigt aber Zeit, wenn man sich jedes Foto „persönlich“ vornehmen möchte. Ich bearbeite lieber etwas weniger Fotos gründlicher als viele nur oberflächlich.

Nachdem ich kurz darüber gesprochen habe, warum es wichtig ist Fotos zu selektieren, möchte ich euch zeigen, wie ihr die Besten der Besten auswählen könnt.

Wie ihr systematisch vorgeht, um eure Fotos zu sortieren

Um die besten Fotos auszusuchen, solltet ihr möglichst strukturiert vorgehen. Ich achte schon beim Import darauf, alles richtig zu machen und gehe danach mehrmals über die Fotos und selektiere immer strenger aus. Dabei kennzeichne ich natürlich die Fotos. Hier Schritt für Schritt.

Import

Damit ihr mit Lightroom Fotos schnell selektieren könnt, ist es wichtig, schon beim Import die richtigen Einstellungen zu wählen. So wähle ich für den Import bei den Vorgaben für die Vorschau die Einstellung „1:1“. Wenn ihr wissen wollt, wie das im Detail geht, lest das bitte in „Das Import Modul richtig nutzen“ in einem meiner letzten Beiträge nach. Mit dieser Einstellung kann Lightroom die Vorschau schnell anzeigen und ihr müsst nicht bei jedem Bild lange warten.

Ich empfehle euch, für jede Reise einen eigenen Ordner anzulegen. So könnt ihr die Reise dann auch später immer einfach und schnell wieder finden.

Erster Durchlauf

Sobald alle Fotos importiert sind, geht ihr in das Bibliotheksmenü. Setzt bitte bei Menüleiste > Foto > Automatisch weiterschalten einen Hacken, damit wird nach jeder Selektion automatisch auf das nächste Foto weitergeschaltet, was den Prozess der Bildauswahl beschleunigt. Danach geht ihr in die Rasteransicht (drücken von „g“) und geht im ersten Durchlauf durch alle Bilder. Jetzt werden alle Fotos aussortiert, die nicht euren Qualitätsansprüchen genügen (unscharfe Fotos, falsche Belichtungen, offensichtlich schlechte Fotos). Das macht ihr, indem ihr bei jedem guten Foto auf die Taste „p“ drückt und bei jedem nicht akzeptieren Foto die Taste „x“.

Ich verwende auch Farben, um Bildserien zu kennzeichnen. Panoramaaufnahmen kennzeichne ich mit Gelb und Belichtungsreihen z.B. für HDR Blau. Das Zuweisen der Farben kann man ganz einfach über die Zahlentasten machen. Ihr könnt hier unter Menüleiste > Metadaten > Farbmarkierungssatz > Bearbeiten… den Farben sogar eigene Begriffe zuordnen. Diese Begriffe erscheinen dann automatisch in den EFIX Metadaten unter „Beschriftung“.

Selbstgestalterter Fotomarkierungssatz

Bild 1: Selbstgestalteter Farbmarkierungssatz

Nach diesem ersten groben Durchlauf könnt ihr alle mit „xabgelehnten Fotos mit Menüleiste > Foto > Abgelehnte Fotos löschen. Alternativ könnt ihr auch die Tastenkombination Strg + Rücktaste verwenden. Wichtig ist, dass ihr schon vorher ein Backup gemacht habt. Somit werden die Fotos nur von einer Datenbank gelöscht und sind für den Notfall im Backup immer noch enthalten.

Zweiter Durchlauf

Jetzt widmet euch allen Fotos, die sich ähnlich sind. Oft hat man ja von der gleichen Szene ein paar Fotos gemacht. Um hier die Fotos vergleichen zu können, verwendet die Darstellungsart Übersicht, sie ist auch über die Taste Umsch. + n zu erreichen.

Das jeweils beste Foto bekommt dann einen Stern, indem ihr es anklickt und auf die Taste „1“ drückt.

Beispiel Bildauswahl Lightroom - Fotos selektieren
Bild 2: Übersicht im Bibliotheksmodul (Umsch. + n)

Nach diesem Durchlauf geht ihr in die Rasteransicht. Dort kann man unter Bibliotheksfilter nach allen Fotos filtern, die einen Stern oder mehr bekommen haben. Damit habt ihr die Anzahl der Fotos sicher schon deutlich reduziert.

Dritter Durchlauf

Wenn ihr jetzt immer noch zu viele Fotos habt, und davon gehe ich aus, müsst ihr die Auswahl noch stärker einschränken. Jetzt kommt der Teil der vielen am schwersten fällt.

Sortiert jetzt radikal – ja das ist wohl das richtige Wort – alle Fotos aus, die ein ähnliches Thema behandeln oder die gleiche Geschichte erzählen.

Eine andere Methode, z.B. bei Urlaubsfotos ist auch, sich zu überlegen von welcher Station man ca. wie viele Fotos zeigen möchte. Welche Stationen waren wichtiger und verdienen mit mehr Fotos dokumentiert zu werden. Welche waren nicht so wichtig.

Ziel des dritten Durchlaufes ist es, die Anzahl der Fotos auf ein Minimum zu reduzieren. Setzt euch ein Ziel, z.B. 250 Fotos und selektiert weiter aus. Wahrscheinlich sind es am Ende immer noch zu viele Fotos. Ihr könnt sie kennzeichnen in dem ihr für die ausgewählten Fotos zwei Sterne vergebt.

Was überbleibt bearbeite ich dann mit Lightroom oder Photoshop, damit ich sehe, was wirklich aus den Fotos herauszuholen ist.

Finaler Durchlauf

Nach der Bearbeitung sehe ich mir die Fotos noch einmal durch. Mein Ziel ist es jetzt noch min. 10% der Fotos auszuscheiden. Auch hier hilft nur radikales vorgehen, auch wenn es schwer fällt.

Letzter Finaler Durchlauf

Ja, es geht noch weiter. Nehmt eure Fotos und bittet euren Lebensgefährten oder einen Freund noch einmal 10% der Fotos aus zu sortieren. Das fällt jetzt richtig schwer, da ihr hier ja keine Kontrolle habt. Macht es aber trotzdem. Ihr werdet sehen, dass das Resultat für sich spricht.

Fazit

Wenn es euch wichtig ist wirklich gute Fotos zu zeigen, dann ist die geschilderte Methode sicher ein sehr guter Weg, um dieses Ziel zu erreichen.

Manche von uns wollen aber einfach Erinnerungen sammeln unabhängig davon ob die Fotos einem hohen Standard genügen. Das ist natürlich auch ok, aber eine andere Zielsetzung. Falls das bei euch der Fall sein sollte, müsst ihr die Bildauswahl entsprechend euren Zielen anpassen.

Wie denkt ihr darüber? Was ist euer Ziel beim Sortieren und Selektieren von Fotos? Da ich das Thema auch schon kontrovers mit meiner Frau diskutiert habe, würde mich sehr interessieren, was für euch wichtig ist und wie ihr das macht. Daher würde ich mich über einen kurzen Kommentar zum Blogartikel von euch freuen.

 

Oliver Haller

Oliver ist Reisefotograf und Experte für Bildbearbeitung mit Lightroom und Photoshop. Auf seiner Homepage photomonda findest Du Reisebeschreibungen und online Tutorials zu Lightroom und Photoshop.

7 thoughts to “Fotos selektieren – Eine Anleitung für Lightroom”

  1. Hallo Oliver,

    ein sehr interessantes Thema, das Du hier beschreibst. Ich denke mit diesem Problem wird jeder früher oder später konfrontiert werden, der viele Fotos macht.

    Meine Vorgehensweise ist ähnlich, weicht in ein paar Punkten aber von Deiner ab:

    1. Herunterladen der Fotos: Das geschieht mit einem Sync-Tool (Second Copy). Warum? Erstens überprüft das Tool alle Dateien nach dem Kopieren (CRC-Vergleich), zweitens habe ich feste Profile, weil Quelle und Ziel bei mir stets gleich sind und drittens verwende ich das gleiche Tool auch für meine Backups. Das direkte Importieren in LR mache ich nicht, aus Grund #2.

    2. Selektion außerhalb Lightroom: Um zu vermeiden, dass die Datenban von LR unnötig anschwillt und den Importvorgang so kurz wie möglich zu halten selektiere ich den „Schrott“ schon direkt nach dem Download. Dazu verwende ich den Fast Picture Viewer und neuerdings den Fast Raw Viewer. Man sieht ja recht schnell, wenn Fotos total daneben sind. Das, was übrig bleibt, ist technisch soweit OK und wird in LR importiert (mit 1:1 Previews, wie bei Dir auch). Vorher mache ich allerdings noch das GeoTagging mit GeoSetter. Jedes Foto, das bei mir in LR importiert wird, hat daher Koordinaten und aufgelöste Ortsnamen, welche ich zusätzlich als hierarschiches Keyword ablegen lasse. Und vorher lasse ich mit Downloader Pro von BeezeSys die Fotos umbennen und wiese Bulk-Metadaten wie Copyright etc zu.

    3. Selektion in LR: Ich „picke“ nicht, sondern „rejecte“ nur. Der wichtigste Schritt für mich ist es, ähnliche Bilder auszusieben. Dazu stelle ich diese per „C“ nebeneinander, zoome ggf hinein und lösche das schlechtere Bild. So geht es dann weiter, bis jeweils ein Gruppe von Bildern, die sehr ähnlich sind, durch ist. Danach lösche ich alle abgelehnten Bilder. Ich habe dabei das Ziel, mind. die Hälfte bis 2/3 alle Fotos zu löschen.

    4. Rating: Danach werden alle Bilder bewertet. 1* = private Bilder mit Erinnerungswer, 2* = Bilder, die OK sind, aber nicht gezeigt werden. 3* = Sehr gute Bilder, die gezeigt werden und 4* = Portfolio Shots, also mein besten Bilder. 5* = gibt es nicht. An Hand dieser Einteilung gehe ich alle Bilder durch und vergebe die Bewertung.

    Danach erfolgt dann ganz normal die Bearbeitung im Entwickeln Modul. Ich werde im gesamten Prozess von etlichen Smart Collections unterstützt, die mir anzeigen, was ich in welche Phase noch zu tun habe und wie der Status ist. Also beispielsweise habe ich Sammlungen für: Keine Keywords, kein Copyright, kein Titel, Keine Bearbeitung usw. Dazu gibt es ja viele Anlaufstellen im Internet.

    Zum Schluss kommen die Bilder in Portfolio-Sammlungen, daran arbeite ich aber gerade noch, weil ich damit noch nicht wirklich zufrieden bin. Wie handhabst Du Dein Portfolios? Beste Bilder allgemein, für’s Web usw.?

    Viele Grüße
    Micha

    1. Hallo Michael,

      danke für Deinen ausführlichen Beitrag. Wie ich sehe hast Du Deinen Workflow schon sehr ausgefeilt. Da kann auch ich noch etwas davon lernen.

      Zu Deiner Frage, wie ich mein Portfolio handhabe. Ich möchte wirklich nur die besten Fotos ins Web stellen, daher ist mein Portfolio auch nicht besonders groß. Ich lösche sogar manchmal Fotos aus dem Portfolio, sobald ich andere habe, die mir besser gefallen.

      Wie gut Fotos ankommen „teste“ ich auch manchmal auf 500px oder bei fotocommuny.de. Im Allgemeinen habe ich aber schon ein gutes Gefühl dafür, was gut ankommt und was nicht.

      Viele Grüße,
      Oliver

  2. ich bin „Anfänger“ Von jedem Jahr habe ich die Fotos zu einem Video zusammengestellt, mit Musik unterlegt -ganz prima ! Nun versuche ich aus den einzelnen Videos Bilder zu extraieren um ein Fotobuch zu erstellen.Es geht aber nicht. Ich suche eine Software,die mir ermöglicht,aus einem Video einzelne Bilder herauszulösen bzw. das Video wieder in einzelne Bilder zu wandeln

  3. Lieber Oliver.
    Gratuliere zu deinem tollen Blog.
    Mich würde deine Art der Verschlagwortung in Lightroom interessieren. Was ist da die beste Strategie vor allem über die ganze Bilddatenbank hinweg.
    Guß, Ulrike

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