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Farbmanagement in Lightroom 5 – Ein kurzer Leitfaden

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„Was muss man wirklich über Farbmanagement wissen, um schöne Drucke zu erhalten?“ oder „Macht Lightroom Farbmanagement wirklich einfacher als Photoshop?“ Diese Fragen höre ich öfter und möchte daher in diesem Artikel einen Überblick über dieses Themenfeld geben. Du lernst hier, was du wirklich über Farbmanagement wirklich wissen müsst, um beim Drucken oder Exportieren von Fotos fürs Web gute Ergebnisse zu erzielen.

Vorab, das gesamte Farbmanagement, ist nur sinnvoll, wenn der Monitor mit einem Farbmessgerät (Kolorimeter) kalibriert wurde. Die Kalibrierung des Monitors stellt also immer den ersten Schritt im Farbmanagement dar.

Was ist Farbmanagement und warum ist es wichtig?

Computer, Kameras, Monitore, Drucker und Scanner benutzen Farbräume und damit verbundene Farbprofile, um miteinander zu kommunizieren und Farben richtig zu beschreiben. Ein Farbraum ist nichts anderes als die Summe alle Farben, die dargestellt werden können. Je nach Gerät sind mehr oder weniger Farben möglich.

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Bild1: Größe unterschiedlicher Farbräume

Das menschliche Auge kann sehr viele Farben sehen, sie sind mithilfe der hufeisenförmigen Fläche in im Bild 1 oben dargestellt. Unsere Geräte müssen sich hier auf kleinere Farbräume beschränken. Der kleinste gemeinsame Nenner ist sRGB oder Standard-RGB (Rot-Grün-Blau). Dieser Farbraum wird im Internet verwendet und kann von fast allen Geräten dargestellt werden. Adobe hat mit Adobe RGB (1998) ein Farbprofil herausgebracht, das schon deutlich mehr Farben darstellen kann, es wird vorrangig im Publishing Bereich verwendet. ProPhoto RGB ist ein Farbraum der über den von Adobe RGB hinausgeht. Zurzeit gibt es kein Gerät, das den gesamten ProPhoto RGB Farbraum darstellen kann.

Welchen Farbraum verwendet deine Kamera?

Wenn du eine einfache Kompaktkamera verwendest, wird dem Bild meist ein kleiner Farbraum zugewiesen. Bei teureren System- und Spiegelreflexkameras kann man über das Menü den Farbraum wählen. So ist es bei Canon z.B. möglich sich zwischen sRGB und Adobe RGB zu entscheiden.

Die Festlegung des Farbraumes ist aber nur wichtig, wenn du in JPEG fotografierst. Sobald du Fotos im RAW Format machst, verliert diese Einstellung ihre Bedeutung, da das RAW Format nur die Sensor Daten enthält und noch kein Farbprofil.

Wie funktioniert das Farbmanagement bei Lightroom 5?

Lightroom arbeitet mit einem Farbraum, der sehr stark an ProPhoto RGB angelehnt ist. Dabei wird auch immer eine Bittiefe von 16 Bit verwendet, da so ein großer Farbraum nicht mit den sonst üblichen 8 Bit darstellbar ist. Man kann und muss also nicht wie beim RAW Konverter von Photoshop den Farbraum wählen, er wird zwingend vorgegeben. Die Konvertierung in einen anderen Farbraum geschieht erst nach dem Entwickeln beim Exportieren oder Drucken.

Diese Vorgehensweise hat einige wesentliche Vorteile:

  • Es gehen kaum Farbinformationen während der Bildbearbeitung verloren
  • Du kannst mehrere Versionen desselben Fotos mit unterschiedlichen Farbprofilen abspeichern
  • Falls es in Zukunft Geräte (Monitore, Drucker etc.) gibt, die ProPhoto RGB darstellen können, haben deine Bilder schon die richtigen Farbinformationen
  • Das Farbmanagement ist im Vergleich zu Photoshop wesentlich vereinfacht, du musst dir keine Gedanken über den richtigen Farbraum machen, das übernimmt Lightroom für dich

Für Profis gibt es aber zumindest einen Nachteil:

  • In der Druckvorstufe werden oft CMYK Farbprofile Lightroom kann solche CMYK Farbprofile weder darstellen noch verwenden, da es auf Fotoprinter ausgelegt ist. Falls du so ein Farbprofil benötigst, müsst du auf Photoshop ausweichen

Wie kannst du sehen, wie dein Foto nach dem Druck oder Export aussehen wird?

In Lightroom 5 gibt es im Entwicklungsmodul die Funktion Softproof. Um dieser Funktion zu aktivieren, musst du unter dem Bild ein Häkchen neben dem Wort „Softproof“ setzen.

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Bild 2: Entwicklungsmodul mit aktiviertem Softproof

Jetzt öffnet sich unter dem Histogramm ein neues Fenster. Hier kannst du unter „Profil“ einstellen, welches Farbprofil du sehen möchtest. Neben den vorgegebenen Farbprofilen sRGB und Adobe RGB kannst du auch noch benutzerdefinierte Profile laden, die du z.B. von deinem Papier- oder Druckerhersteller erhältst.

Um zu sehen, ob dein Monitor überhaupt die Farben, die im Bild vorhanden sind, darstellen kann, aktiviere die „Warnung des Monitorfarbumfanges“, durch einen Klick auf die linke kleine Schaltfläche im Histogramm (linker Pfeil im Bild 2). Bei meinem Bild der Moschee in Abu Dhabi kannst du erkennen, dass an einigen Stellen die Farbe nicht richtig dargestellt wird. An diesen Stellen ist das Bild blau eingefärbt. Das liegt daran, dass der Monitor, mit dem ich diese Aufnahme gemacht habe, nur sRGB darstellen kann, ich aber zum Zweck der Demonstration ein Adobe RGB Farbprofil eingestellt habe.

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Bild 3: Warnung des Monitorfarbumfanges. Alle blauen Punkte liegen außerhalb des Farbumfanges des Monitors (in diesem Fall ein RGB Monitor)

Ähnlich funktioniert auch die „Warnung für den Zielfarbumfang“. Wenn du die kleine Schaltfläche auf der rechten Seite des Histogramms aktivierst (auch Umsch. + S), siehst du welche Farben nicht durch das gewählte Farbprofil abgebildet werden können. Im Bild unten liegen offenbar die goldenen Kapitelle der Säulen im ProPhoto RGB Farbraum von Lightroom, jedoch nicht im Adobe RGB Farbraum.

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Bild 4: Warnung des Zielfarbumfanges. Die roten Punkte liegen außerhalb des Adobe RGB Farbraumes

Wie wirkt sich die Einstellung Perzeptiv/ Relativ auf dein Bild aus?

Um Farben, wie die im Bild 4 rot dargestellten, in den verwendeten Farbraum zu transferieren, bietet Lightroom zwei Methoden an.

Perzeptiv: Hier wird ein großer Farbraum einfach soweit verkleinert, bis er in den Zielfarbraum passt. Die Farbkontraste bleiben erhalten, jedoch ändern sich unter Umständen die Farben.

Relativ: Hier werden Farben die außerhalb des Farbraumes liegen, einfach abgeschnitten. Die Farben, die schon im Farbraum lieben, bleiben erhalten, es gehen aber manchmal zwischen nahe beieinanderliegenden und außerhalb des Farbraumes liegenden Farben die Unterschiede verloren.

Ich verwende meist „Relativ“, welche aber die bessere Methode ist, hängt vom konkreten Bild ab und muss durch Probieren herausgefunden werden.

Wie simulierst du Papier und Druckerfarbe?

Wenn du von deinem Drucker oder Papier ein Farbprofil hast, kann auch die Papier und Druckfarbe simuliert werden. Lightroom zeigt dann das Bild in einer Lichtbox, die die Farbe des gewählten Papiers hat.

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Papier und Druckfarbensimulation

Worauf müssen du bei Druck und Export noch achten?

Wir haben unser Ziel schon fast erreicht. Mit dem gesamten Wissen über Farbräume und Softproof verstehst du jetzt auch die Einstellmöglichkeiten, die du beim Export von Fotos oder im Druckmodul findest. Alles ist analog zum bisher Besprochenen.

Um beim Export das Farbmanagement korrekt anzuwenden, gibst du in den Dateieinstellungen nicht nur das Bildformat ein, sondern auch den Farbraum und die Bittiefe.

Im Druck Modul kannst du im Farbmanagement wählen, ob das Profil vom Drucker verwaltet wird, oder ob du ein eigenes Farbprofil verwenden möchtest. Falls du hier keine eigenen Papier-Farbprofile verwendest, bleibst du einfach bei der Verwaltung durch den Drucker.

Zusammenfassung

Wie du siehst, hat Adobe das Farbmanagement in Lightroom 5 sehr einfach und intuitiv gestaltet. Am wichtigsten ist, dass du deinen Monitor kalibrierst. Danach übernimmt Lightroom das gesamte Farbmanagement und hilft dir zu verstehen wie z.B. der Druck nach Vollendung aussehen wird.

Oliver Haller

Oliver ist Reisefotograf und Experte für Bildbearbeitung mit Lightroom und Photoshop. Auf seiner Homepage photomonda findest Du Reisebeschreibungen und online Tutorials zu Lightroom und Photoshop.

3 thoughts to “Farbmanagement in Lightroom 5 – Ein kurzer Leitfaden”

  1. Hallo, ich muss da mal kurz was zum Thema „Perzeptiv/Relativ Farbmetrisch“ sagen. Die Aussage, dass bei Relativ Farbmetrisch die Farben, die ausserhalb des Zielfarbraumes einfach abgeschnitten werden ist schlichtweg falsch. „Dieses Verhalten tritt bei Absolut Farbmetrisch auf“. Bei Relativ Farbmetrisch werden die Farben, die sich ausserhalb des Zielfarbraumes befinden, bis zur Grenze des Zielfarbraumes skaliert, was nicht identisch zu abschneiden ist. Zusätzlich wird der Weißpunkt in Abhängigkeit des Originals verschoben, was meist ein etwas natürlicheres Ergebnis erzeugt.
    Musste ich jetzt mal sagen. 🙂

    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Pankalla

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