In drei Schritten zum scharfen Bild. Hier lernt ihr wie man RAW Bilder schärft.

Bilder schärfen – In drei Schritten zum scharfen Bild

In diesem Artikel lernt ihr die wesentlichen Grundlagen für das Schärfen von Bildern mit einer Bildbearbeitungssoftware wie Lightroom. Wir werden uns mit dem Schärfen von RAW Bildern, mit dem lokalen/kreativen Schärfen und auch dem Schärfen für bestimmte Ausgabeformate beschäftigen. Ziel ist es, gestochen scharfe Fotos zu erhalten, die trotz Bearbeitung natürlich aussehen.

Um Fotos scharf darstellen zu können, ist es prinzipiell wichtig, dass die Fotos mit der Kamera scharf aufgenommen wurden. Ein missglücktes d.h. verschwommenes oder verwackeltes Foto kann selbst mit der besten Software nicht in ein scharfes verwandelt werden. Es sollte daher immer die erste Priorität sein, schon bei der Aufnahme den Fokus optimal einzustellen.

Sind die Fotos, die wir aus der Kamera bekommen schon geschärft?

Wenn ihr in JPEG fotografiert, dann werden die Fotos auch schon in der Kamera geschärft. Bei Bildern die im RAW Format aufgenommen werden, ist das anders. Hier bekommt die Bildbearbeitungssoftware (der RAW Konverter) die echten Sensor Daten von der Kamera. Diese RAW Bilder sind nicht geschärft und müssen auf jeden Fall einer Schärfung unterzogen werden, um prägnante Bilder zu erhalten.

Was geschieht beim Bilder Schärfen?

Genau genommen werden Bilder nicht schärfer, sondern es wird der lokale Kontrast an Grenzen erhöht, indem lokal dunkle Pixel noch weiter abgedunkelt und helle Pixel noch weiter aufgehellt werden. Unserem Gehirn wird damit vorgegaukelt, das die Fotos schärfer sind, da die Konturen prägnanter heraustreten. Die Methode, die hier von den meisten Bildbearbeitungsprogrammen angewendet wird, heißt „Unsharpen Mask“ (=unscharfe Maske). Dieser seltsame Name kommt noch aus den Zeiten der Analogfotografie, da damals tatsächlich eine unscharfe Maske zum Schärfen verwendet wurde.

Da es sich um eine Kontrasterhöhung handelt, kann man es mit dem Bilderschärfen auch übertreiben, wie man an den Fotos unter Bild 1 sehr gut sehen kann.

Bilder mit softer, richiger und zu hoher Schärfung. Bilder Schärfen

Bild 1: Beispiele für das Schärfen von Fotos

Wie geht man beim Schärfen vor?

Im Folgenden spreche ich über das Schärfen von RAW Files. Für die Schärfung von JPEG Fotos gelten dieselben Regeln, mit dem Unterschied, dass der erste Schritt, das RAW Schärfen, nicht unbedingt gemacht werden muss.

Das Schärfen von Fotos erfolgt in drei Phasen. Im ersten Schritt bekommt das RAW File eine Grundschärfe. Danach wird bei der Entwicklung selektiv lokal/ kreativ dort geschärft, wo der Fotograf es für sinnvoll erachtet, als letzter Schritt wird bei der Ausgabe der Bilder noch einmal geschärft, um das Bild dem Ausgabeformat anzupassen. Je nach Anspruch und Aufwand, den man treiben möchte, kann man Schritt zwei und drei auch weglassen.

Schritt 1: RAW Schärfen mit Adobe Lightroom oder Photoshop

Die Grundschärfung von RAW Files funktioniert bei den Programmen Adobe Lightroom und Adobe Photoshop genau gleich, da beide den gleichen internen RAW Konverter verwenden. In Lightroom findet man die Einstellungen zum Schärfen im Entwickeln Modul unter Details, in Photoshop im RAW Konverter ebenfalls unter Details.

Um die Schärfe von Bildern beurteilen zu können, muss man sie in der 100% oder 1:1 Ansicht betrachten. Nur so ist gewährleistet, dass ein Pixel des Bildes einem Pixel auf eurem Bildschirm entspricht. Durch diese Einstellung muss das Bildbearbeitungsprogramm nicht zwischen beiden Pixelgrößen umrechnen, was wiederum zu Effekten durch z.B. Interpolation führen kann.

Es gibt vier Regler: Betrag, Radius, Details und Maskieren, die je nach Motiv anders eingestellt werden müssen.

Details: Bilder Schärfen Regler in Lightroom

Bild 2: Details Regler in Lightroom 5

Hier die Bedeutung der Regler im Einzelnen:

Betrag

Der Betrag legt die Stärke der Schärfung fest. Steht der Regler auf 0, so sind auch die anderen Regler inaktiv, steht er auf 100 ist die maximale Schärfung erreicht.

Als Faustformel verwende ich hier die Regel:

Betrag = 100 – Luminanz (d.h. der Wert der Luminanz bei der Rauschunterdrückung)

Das ist natürlich nur eine Faustregel. Am Ende muss man jedes Foto betrachten und mit dem Auge entscheiden, ob ein Bild zu wenig oder zu viel geschärft ist. Ein Zuviel an Schärfe erkennt man an einem weißen Saum entlang der Kanten (siehe auch Bild 1; zu viel Schärfen)

Radius

Dieser Regler gibt an, in welchem Umkreis um ein Pixel herum der lokale Kontrast verstärkt werden soll. Bilder mit vielen feinen Strukturen benötigen einen kleineren Radius, da diese Formen sonst nicht herausgearbeitet werden können.

Details

Mit Details sagt man dem Bildbearbeitungsprogramm, ob und wie stark im Bild nach Strukturen gesucht werden soll.

Maskieren

Mit diesem Regler kann eine Maske erzeugt werden. Um die Maske sichtbar zu machen, drückt man die [Alt.] – Taste während man den Regler mit der Maus verschiebt.

Diese Maske funktioniert wie andere Masken bei Photoshop. Dort wo die Maske weiß ist, wird der Effekt, d.h. das Schärfen, auf das Bild angewendet, dort wo sie schwarz ist, kommt der Effekt nicht zur Geltung (siehe auch Bild 3, weiter unten).

Generell gilt, dass bei qualitativ hochwertigen Objektiven weniger geschärft werden muss, als bei nicht so hochwertigen Objektiven.

Die richtigen Werte für Architektur- und Landschaftsfotografie

Bei diesen Fotos handelt es sich um Bilder mit Strukturen in den Flächen. Ich empfehle euch für diese Motive die folgenden Werte:

  • Betrag = 100 – Luminanz (mit Augenmaß)
  • Radius = 0,8 oder kleiner, damit keine Details verloren gehen
  • Details = 35 oder höher, damit möglichst viele Details herausgearbeitet werden
  • Maskieren = so maskieren, dass der Himmel nicht geschärft wird, da es nicht schön aussieht,   wenn er durch die Schärfung körnig wird

Die richtigen Werte für Porträtfotografie

Auch Porträts sollen scharf sein, allerdings will man nicht jede Pore oder Hautunreinheit im Detail sehen. Daher werden hier die Werte etwas anders gewählt.

  • Betrag = 100 – Luminanz (mit Augenmaß, eher etwas kleiner)
  • Radius = 1,2 – 1,4 dadurch werden kleine Strukturen in der Haut nicht so geschärft
  • Details = 15, wir wollen ja gerade die Details nicht herausarbeiten, sondern eher die Schärfe auf die Konturen des Gesichts etc. legen
  • Maskieren = so maskieren, dass die Haut nicht geschärft wird

Maskierung beim Bilder schärfen in Lightroom. Beim Porträt ist das Maskieren besonders wichtig.

Bild 3: Beim Porträt ist es wichtig, die Haut nicht zu schärfen, d.h. mit Maskieren auszublenden (Maskieren anklicken mit gleichzeitig gedrückter [Alt.]-Taste)

Schritt 2: Lokales/ kreatives Bilder Schärfen

Bei manchen Bildern ist es sinnvoll oder notwendig lokal nachzuschärfen. Hier ist es schwer allgemeingültige Vorgaben zu machen. In der Porträtfotografie wird man hier die Wimpern und Augenbraun schärfen. Bei der Landschaftsfotografie z.B. einen Wasserfall, um ihn noch etwas prägnanter aus der Umgebung herauszuarbeiten.

Das lokale Schärfen erfolgt in Adobe Lightroom mit dem Korrekturpinsel. Hier könnt ihr unter den Vorgaben z.B. Schärfe wählen oder eure Schärfung selber zusammenstellen. Ich verwende hier oft die Schärfe und Klarheit in Kombination, um noch bessere Effekte zu erzielen.

Beim lokalen Schärfen kann man Schärfe und Klarheit kombinieren

Bild 4: Beim lokalen Schärfen kann man Schärfe und Klarheit kombinieren

Schritt 3: Schärfen beim Export von Fotos

Nach Schritt 1 und 2 ist das Bild auf dem Monitor ideal geschärft. Das bedeutet aber leider nicht, dass die Schärfe auch ausreicht, wenn man das Bild drucken möchte. Da ein Druck aus einer ganz anderen Entfernung betrachtet wird und auch das Papier einen Einfluss auf die subjektive Schärfe hat, muss hier im letzten Schritt noch einmal nachgeschärft werden, wenn man ein optimales Ergebnis erhalten möchte.

outputsharpening

Bild 5: Schärfen bei Druck oder Export in Lightroom

Lightroom bietet hier die Funktion „Ausgabeschärfe“ im Export oder Druck Modul. Diese Funktion ist auf den ersten Blick viel einfacher als die für das Schärfen des RAW Files im Entwickeln-Modul. Sie wurde gemeinsam mit einem erfahrenen Fotografen, Jeff Schewe, entwickelt und bringt gute Ergebnisse.

Auf der linken Seite kann man zwischen „Bildschirm“, „Mattes Papier“ und „Glanzpapier“ wählen. Bildschirm sollte man wählen, wenn das Foto auf einem Monitor betrachtet werden soll, d.h. wenn ihr es für eine Homepage verwendet oder auf z.B. euer iPad herunter laden wollt. Mattes Papier ist für nicht beschichtetes und Glanzpapier für beschichtetes Papier optimiert.

Außerdem gibt es noch drei unterschiedliche Stärken zur Auswahl. Meist ist „Standard“ völlig ausreichend. Es kommt aber wirklich auf den persönlichen Eindruck oder Wunsch und auch die Papierqualität an. Daher muss man einfach einen Druck mit einem gewünschten Motiv in der entsprechenden Größe und dem gewünschten Papier probieren. Nur so kann man entscheiden, was die optimale Stärke für diesen letzten Schärfungsschritt wirklich ist.

Oliver Haller

Oliver ist Reisefotograf und Experte für Bildbearbeitung mit Lightroom und Photoshop. Auf seiner Homepage photomonda findest Du Reisebeschreibungen und online Tutorials zu Lightroom und Photoshop.

7 Kommentare zu “Bilder schärfen – In drei Schritten zum scharfen Bild

    1. Dem stimme ich voll zu, am Ende muss man sich das Foto ansehen und entscheiden ob man es richtig getroffen hat. Da hilft die ganze Technik nichts, man muss ein gutes Gefühl dafür entwickeln.

  1. Ich habe eine EOS 7D und eine Olympus SP 570 UZ habe aber noch nicht alles ausprobiert.Ich würde gerne wissen,welcher Zubehör zur EOS 7D paßt.
    Freundliche Grüße B.Petereit

  2. Hallo
    Super Artikel. Das Thema kann man gar nicht oft und genau genug behandeln. Da passieren immer noch die wildesten Dinge, insbesonders bei Lightroom/Photoshop Einsteigern.
    Danke für die ausfühlichen Infos.
    lg Christian

  3. Danke für Deine Ausführungen, die inhaltlich auf das Wesentliche beschränkt sind. Gut gemacht.
    LG Hans-Jürgen

  4. Hallo Herr Haller,
    Vielen Dank für den super Beitrag.
    Habe noch ne kurze Frage:
    Ich habe ein Foto mit Wolken,gelten da auch eher die Werte für Landschaft zum Schärfen?Worauf muss ich besonders achten?
    Lg.Andrea

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